Die Österreicherinnen zeigten in ihrem ersten Spiel an einer A-Weltmeisterschaft eine sehr gute Leistung. Trotz vielen Strafen und ein Gegner, der in der Weltrangliste auf Platz 3 macht dieses Spiele Lust auf mehr.
Besser hätte das erste Spiel an einer A-Weltmeisterschaft für das Alpenland kaum beginnen können. Österreichs Frauen-Nationalteam ging gegen den klar favorisierten WM-Dritten Tschechien früh in Führung und hielt die Partie lange offen. Am Ende setzte sich der Favorit mit 4:1 durch. Doch der Aufsteiger durfte die Hockey Arena in Esbjerg trotz der Niederlage erhobenen Hauptes verlassen.
Es waren gerade einmal sieben Minuten und drei Sekunden gespielt, als Anna Meixner österreichische Eishockeygeschichte schrieb. Nach Vorarbeit von Theresa Schafzahl brachte sie die Österreicherinnen mit 1:0 in Führung. Ein Auftakt nach Mass – und das ausgerechnet gegen eine tschechische Mannschaft, die zur Weltspitze gehört.
Wer vor dem Spiel einen tschechischen Kantersieg erwartet hatte, musste seine Prognose zunächst überdenken. Österreich verteidigte leidenschaftlich, Torhüterin Selma Luggin hielt ihr Team im Spiel, und die Tschechinnen mussten hart arbeiten, um ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden.
Erst 65 Sekunden vor der ersten Drittelspause gelang Klára Hymlárová auf Zuspiel von Aneta Tejralová der Ausgleich zum 1:1. Für Österreich war bereits dieser Zwischenstand ein erster Achtungserfolg.
Luggin hält Österreich im Spiel
Im zweiten Drittel erhöhte Tschechien den Druck. Die Schussstatistik von 14:3 zugunsten der Favoritinnen verdeutlichte die Kräfteverhältnisse. Doch Österreich hielt dagegen.
Erst in der 34. Minute gelang Natalie Mlýnková nach Vorarbeit von Sára Čajanová und Kateřina Mrázová der Führungstreffer zum 2:1. Mehr liessen die Österreicherinnen bis zur zweiten Pause nicht zu.
Auch im Schlussdrittel blieb die Partie lange enger, als es die Kräfteverhältnisse erwarten liessen. Erst in der 53. Minute erhöhte Kateřina Mrázová auf 3:1.
In der Schlussphase versuchte Österreich nochmals alles. Trainerbank und Mannschaft setzten auf eine zusätzliche Feldspielerin und nahmen Luggin vom Eis. Mrázová nutzte die Gelegenheit und traf in der 59. Minute ins verlassene österreichische Tor zum 4:1-Endstand.
Dieser letzte Treffer war allerdings umstritten: Österreich liess die Szene wegen einer möglichen Abseitsstellung mittels Coach’s Challenge überprüfen. Die Schiedsrichterinnen bestätigten das Tor. Für die erfolglose Challenge erhielt Österreich eine Zweiminutenstrafe wegen Spielverzögerung.
43 Paraden und eine klare Botschaft
Die Schlussstatistik spricht eine deutliche Sprache: 46:12 Torschüsse für Tschechien, davon allein 22:3 im letzten Drittel. Selma Luggin wehrte 43 Schüsse ab und war damit eine der prägenden Figuren dieser österreichischen WM-Premiere.
Natürlich war Tschechien die bessere Mannschaft. Der Favorit bestimmte über weite Strecken das Spiel und gewann verdient. Daran gibt es nichts zu beschönigen.
Doch für Österreich ging es bei dieser Premiere auch darum, zu zeigen, dass der Aufstieg in die höchste WM-Division kein Zufall war. Gegen eine der stärksten Nationalmannschaften der Welt gelang ein Traumstart, und bis weit ins Schlussdrittel blieb die Niederlage in einem überschaubaren Rahmen.
Das 1:4 ist deshalb weit mehr als bloss eine Niederlage zum Auftakt. Es ist ein erster Hinweis darauf, dass Österreich bei dieser Weltmeisterschaft nicht nur dabei sein, sondern seine Gegnerinnen auch fordern will.
Und wer weiss: Vielleicht werden sich die Österreicherinnen noch einmal an diese ersten sieben Minuten von Esbjerg erinnern. Als sie bei ihrer A-WM-Premiere gegen Tschechien führten – und für einen Moment die Eishockeywelt auf den Kopf stellten.