
Die Schweiz siegt gegen Lettland nach harzigem Start mit 4-2. Dennoch brauchten die Zuschauer oft einen bangen Blick zum Defibrillator.
Die Schweiz spielte gegen Lettland lange auf ein Tor, schoss, drückte, kombinierte und zwang den lettischen Torhüter zu einer starken Leistung. Eigentlich hätte dieses Spiel nach zwei Dritteln beruhigend wirken können. Tat es aber nicht. Denn die Schweiz spielte nach dem System Defibrillator: viel Kontrolle, viele Chancen, viel Dominanz — und trotzdem immer wieder genug Spannung, um den Puls nicht zu tief sinken zu lassen.
Dabei begann der Abend für die Schweiz nicht optimal. Bereits in der 1. Minute musste Jäger wegen Hakens auf die Strafbank. Lettland kam dadurch früh zu einer Überzahl, konnte daraus aber keinen entscheidenden Nutzen ziehen. Danach dauerte es einige Minuten, bis die Schweiz richtig ins Spiel fand. Erst ab etwa der 6. oder 7. Minute wurde sie aktiver, gewann mehr Scheiben, kam mit mehr Tempo durch die neutrale Zone und begann, den Druck auf das lettische Tor zu erhöhen.

Je länger das erste Drittel dauerte, desto klarer übernahm die Schweiz das Kommando. Es entwickelte sich phasenweise ein Spiel auf ein Tor. Die Schweizer sorgten für viel Verkehr vor dem lettischen Goalie, suchten Abschlüsse aus verschiedenen Positionen und kamen immer wieder gefährlich in die Zone. Lettland verteidigte aber diszipliniert, blockte Schüsse und konnte sich auf seinen Torhüter verlassen.
In der 17. Minute bot sich der Schweiz nach einer Strafe gegen Batna wegen Beinstellens die erste grosse Möglichkeit in Überzahl. Das Powerplay war ordentlich, brachte mehrere gute Szenen und viel Druck, aber kein Tor. Kurz nach Ablauf der Strafe war Nino Niederreiter dann ganz nahe am Führungstreffer, scheiterte aber an der Latte. So blieb es nach 20 Minuten trotz klarer Schweizer Steigerung beim 0:0.

Die Shot Chart nach dem ersten Drittel erzählte bereits viel über den Spielverlauf. Die Schweiz hatte deutlich mehr Abschlüsse, brachte viel Verkehr vor das lettische Tor und zwang den Goalie zu mehreren Paraden. Lettland blieb offensiv punktuell gefährlich, bestimmte das Spiel aber nicht. Das 0:0 war deshalb weniger Ausdruck fehlender Schweizer Kontrolle als vielmehr ein Hinweis darauf, dass Lettland bereit war, dieses Spiel unbequem zu machen.
Im zweiten Drittel setzte die Schweiz den Druck sofort fort. In der 21. Minute kam Josi gleich zu zwei Grosschancen, konnte sie aber nicht verwerten. Kurz darauf musste Smirnovs wegen Beinstellens auf die Strafbank. Zwischen der 23. und 26. Minute erspielte sich die Schweiz massenhaft Chancen, brachte die Scheibe aber weiterhin nicht im Tor unter. Die Partie roch nach Schweizer Führung, aber sie wollte zunächst nicht fallen.In der 31. Minute war es dann soweit. Rochette spielte die Scheibe zu Hischier, dieser legte sauber nach rechts auf Meier, und der liess sich nicht zweimal bitten. Meier hämmerte die Scheibe zum 1:0 ins Tor. Nach all dem Druck war diese Führung hochverdient.

Doch genau hier meldete sich das System Defibrillator zurück. Nur 95 Sekunden später glich Lettland aus. Die Schweiz war mit drei Spielern zu tief in der Angriffszone, die Absicherung stimmte nicht, und Lettland nutzte den freien Raum kaltblütig. Die Schweizer orientierten sich zu stark an Bertschy und zu wenig am Puck. Plötzlich stand es 1:1, obwohl die Spielanteile eigentlich eine andere Sprache sprachen.
Die Antwort der Schweiz kam in Überzahl. In der 37. Minute musste Freibergs wegen Beinstellens auf die Strafbank. Eine Minute später traf Riat zum 2:1. Andrighetto verzögerte stark, die Letten erwarteten den Abschluss. Er sah jedoch, dass Malgin nicht frei war, und schob den Pass stattdessen sauber in den Slot zu Riat. Dieser hatte das Tor praktisch offen vor sich und traf zur erneuten Schweizer Führung. Nach zwei Dritteln führte die Schweiz 2:1, die Schussbilanz lag bei 34:11. Das war statistisch deutlich. Emotional war es weniger beruhigend. Die Schweiz hatte die Shot Chart. Lettland hatte den Puls.

Im Schlussdrittel sorgte die Schweiz früh für etwas mehr Ruhe. In der 41. Minute erkannte Meier den freien Raum, spielte zu Marti, dieser legte weiter auf Kukan. Der Verteidiger nahm Mass und hämmerte die Scheibe zum 3:1 ins Tor. Das war ein Treffer mit Wucht und zur richtigen Zeit.
In der 53. Minute war Kukan erneut beteiligt, diesmal als Vorbereiter. Mit gutem Auge spielte er einen Backhand-Pass auf Riat, der sauber zum 4:1 abschloss. Damit schien die Partie endgültig entschieden.

Ganz ohne Defibrillator ging es aber auch danach nicht. In der 54. Minute musste Josi wegen Beinstellens auf die Strafbank. In dieser lettischen Überzahl traf Lettland vermeintlich durch Vilmanis. Die Schweizer Bank nahm jedoch die Coaches Challenge — und lag richtig. Der Zoneneintritt war offside, der Treffer wurde aberkannt.
Interessant war dabei nicht nur der Entscheid selbst, sondern auch die Klarheit der Bilder. Puck, blaue Linie und Spielerposition liessen sich sauber nachvollziehen. Das war kein Fall für Kaffeesatz, Bauchgefühl oder den heiligen Videowürfel. Das war Offside. Genau solche Perspektiven braucht das europäische Eishockey häufiger, wenn Videoentscheidungen nicht zur Pixel-Lotterie werden sollen.
In der Schlussminute kassierte Kukan noch zwei Minuten wegen Beinstellens. Balcers nutzte die Überzahl zum 4:2. 15 Sekunden vor dem Ende musste auch Andrighetto noch wegen Hakens auf die Strafbank, am Schweizer Sieg änderte das aber nichts mehr.
Am Ende gewann die Schweiz verdient mit 4:2. Die Spielanteile, die Chancen und die Shot Chart sprachen klar für die Mannschaft von Jan Caadieux. Trotzdem war es kein völlig beruhigender Abend. Zu lange blieb Lettland im Spiel, zu oft brauchte es trotz deutlicher Überlegenheit noch einen kleinen Pulscheck. Genau deshalb passte der Titel: Die Schweiz und das System Defibrillator.
Stimmen zum Spiel:
Dominik Egli: Ich glaube es war ein gutes Spiel, wir haben sehr viel kreiert vielleicht manches mal ein wenig zu viel aber es war eine gute Teamleistung. Die Effizienz war leider heute nicht die beste aber wir haben auch oft zu schön gespielt und nicht immer den Zug zum Tor gehabt aber im großen und ganzen war es ein gutes Spiel.
Denis Malgin: Wir hatten so viele Chancen, das Resultat hätte ein anderes sein müssen, wir müssen diese Chancen einfach nützen und dann wäre es auch einfacher. Vielleicht müssen wir etwas geduldiger sein aber wir haben gewonnen und das ist das wichtigste. Wir schauen weiter nun Spiel für Spiel und ich hoffe wir werden am Montag den dritten Sieg holen.