Der Drache, die Habsburger und ein vierfacher Europameister

Fribourg-Gotteron trifft im Zuge der Champions Hockey League in den nächsten drei Tagen auf die Graz99ers und den KAC. Hier ein Blick auf die Geschichte rund um den Schweizer Meister.

Wenn Fribourg-Gottéron am Donnerstag bei den Graz99ers und zwei Tage später beim KAC antritt, kommt nicht einfach irgendein Schweizer Klub nach Österreich. Es reist der amtierende Schweizer Meister an – aus einer Stadt, deren Geschichte österreichischen Lesern erstaunlich bekannt vorkommen könnte.

Freiburg wurde 1157 von Berthold IV. von Zähringen gegründet. Die Zähringer legten die befestigte Stadt auf einer Felsplatte über der Saane an; auch Bern und Freiburg im Breisgau gehören zu diesem historischen Städtenetz. Nach den Zähringern und Kyburgern wurde Freiburg 1277 an die Söhne Rudolfs I. von Habsburg verkauft. Fast zwei Jahrhunderte, bis 1452, stand die Stadt unter habsburgischer Herrschaft. Wer am Wochenende also etwas ganz tief in den Geschichtsbüchern graben möchte, kann behaupten: Gottéron reist nicht völlig ohne familiäre Verwicklungen nach Österreich.

Der Eishockeyklub ist wesentlich jünger. Am 1. Dezember 1937 beschlossen sechs junge Männer aus der Freiburger Unterstadt, einen Verein zu gründen. Gespielt hatten sie zuvor unter ziemlich rustikalen Bedingungen auf Fischzuchtteichen im Galterntal. 1938 wurde der HC Gottéron offiziell in den Schweizer Verband aufgenommen. Erst 1980 gelang der Aufstieg in die höchste Liga – und dort ist der Klub seither geblieben.

Mascot and Team Logo Fribourg Gotteron
© Christoph Perren

Auch der Drache auf dem Wappen ist kein Marketingprodukt irgendeiner Agentur. Im Galterntal – französisch Gottéron – soll nach einer mittelalterlichen Sage ein Drache gehaust haben. Der Mythos wurde Teil der Klubidentität, heute läuft mit Augustin sogar eine ziemlich friedliche Ausgabe davon durch die BCF Arena. Vom ersten europäischen Eishockey-Maskottchen sollte man allerdings nicht sprechen; dafür finden sich ältere Beispiele. Die Drachenlegende selbst ist aber wesentlich älter als der Hockeyklub und gehört tatsächlich zur Freiburger Geschichte.

Sportlich wurde Gottéron lange von einem anderen Mythos begleitet: Dieser Klub gewinnt einfach keinen Titel.

In den frühen 1990er-Jahren spielten mit Slawa Bykow und Andrei Chomutow zwei sowjetische Weltstars in Freiburg. Zwischen 1992 und 1994 erreichte Gottéron dreimal hintereinander den Schweizer Final – und verlor dreimal. Insgesamt wurden es fünf verlorene Meisterschaftsfinals.
Erst der Spengler-Cup-Sieg 2024 brachte den ersten bedeutenden Pokal der Klubgeschichte. Am 30. April 2026 fiel schliesslich auch die letzte Mauer: Im siebten Finalspiel gegen den HC Davos wurde Fribourg-Gottéron erstmals Schweizer Meister. Für Klubikone Julien Sprunger war es gleichzeitig das 1’186. und letzte Spiel im Gottéron-Trikot.

Und ausgerechnet jetzt steht hinter der Bande ein Mann, der Europa ziemlich gut kennt.
Roger Rönnberg gewann mit Frölunda viermal die Champions Hockey League – 2016, 2017, 2019 und 2020 – sowie zweimal die schwedische Meisterschaft. Frölunda ist mit vier CHL-Siegen Rekordchampion des Wettbewerbs. In Freiburg gelang Rönnberg gleich in seiner ersten Saison der historische Schweizer Meistertitel. Europäisch dürfte ihm deshalb kaum jemand erklären müssen, wie dieser Wettbewerb funktioniert.
Dieser will nun für Fribourg-Gotteron nach dem Gewinn des Spengler Cup 2024 und den ersten Schweizer Titel nun auch die Champions Hockey League gewinnen: „Wir sind heiß auf den Titel, den dieser Verein noch nie gewonnen hat!“

Roger Rönnberg, © Werner Krainbucher / Puckfans.at

Zumal Gottéron selbst in der CHL bereits Spuren hinterlassen hat. 2016/17 erreichten die Freiburger das Halbfinale – dort war ausgerechnet Rönnbergs Frölunda Endstation. 2021/22 wurde Fribourg dann zum ersten Klub, der die damalige CHL-Gruppenphase ungeschlagen mit den maximal möglichen 18 Punkten abschloss. Europa ist für die Drachen also keineswegs Neuland.

Nun beginnt die neue Kampagne in Österreich. Am 3. September um 18:30 Uhr wartet in Graz der Meister der ICE Hockey League, am 5. September um 19:15 Uhr der KAC in Klagenfurt.

Und vielleicht ist das die hübscheste Pointe dieser Reise: Eine Mannschaft aus einer Zähringerstadt mit fast zwei Jahrhunderten habsburgischer Vergangenheit, einem mittelalterlichen Drachen als Identifikationsfigur und einem Trainer mit vier europäischen Titeln kommt als frischgebackener Schweizer Meister nach Österreich.

Historisch gesehen gab es schon kompliziertere Beziehungen zwischen Freiburg und den Habsburgern. Diesmal geht es immerhin nur um drei Punkte.