Das ist nicht nur episch – das ist Epiq

Pius Suter #44, Sven Andrighetto #85, Wyatt Kaiser #44, IIHF World Championship 2026 USA – SUI, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser
Die Schweiz siegt gegen die USA. Es war teilweise episch. Dazu passt auch, dass in der ausverkauften SwissLife Arena ein Epiq stand.

Die Schweiz ist mit einem starken 3:1-Sieg gegen die USA in die Heim-WM gestartet. Und ja, während an der Bande der Škoda Epiq blinkte, spielte die Schweiz phasenweise tatsächlich ziemlich episch. Nicht über 60 Minuten spektakulär, nicht durchgehend dominant, aber reif, geschlossen und in den entscheidenden Momenten genau dort, wo sie sein musste.
Bereits nach drei Minuten lag die Scheibe zum ersten Mal im amerikanischen Tor. Ausgangspunkt war ein gewonnener Zweikampf von JJ Moser gegen einen US-Spieler. Danach ging es schnell. Die Scheibe kam mit einem schönen weiten Pass zu Sven Andrighetto, der hinter dem Tor Übersicht bewies. Vor dem amerikanischen Tor herrschte viel Verkehr, Pius Suter stand genau dort, wo ein Center stehen muss, und netzte zum 1:0 ein.

Sven Andrighetto #85, Wyatt Kaiser #44, Pius Suter #44, Joseph Woll #60, Isaac Howard #22, IIHF World Championship 2026 USA – SUI, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Es war der perfekte Start in ein Spiel, das von Beginn weg mit offenem Visier geführt wurde. Beide Teams suchten den Weg nach vorne, beide Teams spielten mit Tempo, doch die Schweiz verteidigte im ersten Drittel stark. Sie liess sich vom amerikanischen Tempo nicht überrollen, sondern nahm die Zweikämpfe an, arbeitete sauber zurück und markierte früh Präsenz.
In der zwölften Minute wurde es dann richtig sehenswert. Denis Malgin spielte einen Weltklasse-Pass über das ganze Feld auf Andrighetto. Dieser lief alleine auf Torhüter Woll zu und versenkte die Scheibe zwischen dessen Schonern zum 2:0. Das war kein Zufall, kein Geschenk, sondern ein Angriff mit Tempo, Qualität und Kälte im Abschluss.
Auch körperlich war die Schweiz präsent. In der 18. Minute wurde es hinter dem Schweizer Tor emotional, Nino Niederreiter und Lafferty kassierten je zwei Minuten. Doch auch diese Szene passte zum Bild des ersten Drittels: Die Schweiz war da. Nicht nur spielerisch, sondern auch mental und körperlich.

Leonardo Genoni #63, Ryan Leonard #9, Dominik Egli #72, IIHF World Championship 2026 USA – SUI, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Im zweiten Drittel wurde das Spiel schwieriger. Die USA fanden besser hinein, bekamen mehr Zugriff und setzten die Schweiz stärker unter Druck. Genau hier begann der eigentliche Reifetest. Der lange Wechsel, das amerikanische Tempo, die tiefen Wege in der eigenen Zone: Das war nicht mehr das glänzende Auftaktdrittel, sondern harte Arbeit.
In der 25. Minute zeigte sich das exemplarisch. Roman Josi war vorne eingebunden, Andrighetto arbeitete stark zurück, trotzdem musste Josi kurz darauf vor dem eigenen Tor noch mit einem wichtigen Scheibenblock retten. Nach einem langen Shift kassierte Josi danach wegen Beinstellens zwei Minuten. Das war einer dieser Momente, in denen gegen die USA ein Spiel kippen kann.
Doch die Schweiz blieb kompakt. In der Druckphase der USA um die 33. Minute spielte sie nicht nur vor Leonardo Genoni, sie spielte für ihn. Schüsse wurden konsequent geblockt, Passwege geschlossen, die rote Zone geschützt. Die Wechsel waren klug und ohne Hast. Kein wildes Davonrennen, kein panisches Befreien um jeden Preis, sondern kontrollierte Teamarbeit.
Die USA hatten im zweiten Drittel die besseren Zugriffsmomente und einige gute Abschlussmöglichkeiten. Aber die Schweiz war als Mannschaft klarer. Sie arbeitete tiefer, half besser, blieb strukturierter und liess sich nicht aus der Ordnung ziehen. Das war weniger spektakulär als die ersten zwölf Minuten, aber mindestens genauso wichtig.

Team SUi Head Coach Jan Cadieux, IIHF World Championship 2026 USA – SUI, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Im dritten Drittel bekam die Schweiz in der 45. Minute nochmals eine gute Gelegenheit, als Lindgren wegen Crosschecks auf die Strafbank musste. Das Schweizer Powerplay blieb allerdings schwach. Bis auf einen Abschluss kam zu wenig, zu wenig Druck, zu wenig Klarheit, zu wenig Gefahr. Gegen ein US-Team dieser Qualität hätte man das Spiel in dieser Phase vielleicht endgültig beruhigen können.
Stattdessen kamen die Amerikaner zurück. In der 49. Minute traf Steeves zum 2:1. Vor Genoni war zu viel Verkehr, die Schweizer Defensivarbeit in dieser Szene nicht konsequent genug, und der Schuss schlug über der Schulter des Schweizer Torhüters ein. Plötzlich war das Spiel wieder offen.
Die USA drückten nun stärker. Man sah, dass dieses Team noch nicht sauber eingespielt ist, aber man sah auch, wie viel Tempo und Qualität darin steckt. Matthew Tkachuk fehlte noch; laut TV-Kommentar wurde er erstmals Vater. Dieses US-Team wird im Verlauf des Turniers sicher stärker werden. Umso wertvoller war es, dass die Schweiz in dieser Phase nicht zerfiel.
Sie stand zusammen. Sie blockte. Sie arbeitete. Sie nahm die unbequemen Wege. Und dann kam in der 57. Minute die Entscheidung. Ken Jäger lenkte eine Scheibe via Stock unhaltbar ins Tor von Woll ab. Der amerikanische Torhüter konnte nichts ausrichten. Es war genau so ein Tor, das zu diesem Schweizer Abend passte: nicht nur schön, sondern verdient, weil zuvor als Team gelitten worden war.
In der Schlussphase wurde es nochmals emotional. Hagens und Malgin kassierten in der 59. Minute je zwei Minuten wegen übertriebener Härte. Kurz vor Schluss wurde es sogar noch kurios, als der Schweizer Ersatztorhüter ebenfalls noch eine Zweiminutenstrafe erhielt. An diesem Abend wollte offenbar wirklich jeder Schweizer seinen Beitrag leisten.

Janis Moser #86, James Hagens #10, Nico Hischier #13, Danny Nelson #82, Paul Cotter #47, IIHF World Championship 2026 USA – SUI, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Am Ende gewann die Schweiz 3:1. Der Sieg war verdient, aber nicht billig. Die Schweiz glänzte früh, arbeitete danach hart und brachte das Spiel mit einer kompakten Defensive, starker Teamarbeit und viel Disziplin über die Linie. Es war kein 60-minütiges Feuerwerk. Es war besser: ein Auftakt, der zeigte, dass diese Mannschaft nicht nur Talent, Tempo und Abschlussqualität hat, sondern auch bereit ist, die dreckige Arbeit zu machen.Erst spielte die Schweiz episch. Dann spielte sie erwachsen und am Ende war es eben nicht nur episch. Es war Epiq.

Dean Kukan (SUI): Sicher die USA ist ein super Team aber auch wir wissen das wir ein gutes Team sind. Es war wie erwartet ein sehr knappes Spiel.
Zur Situation nach dem Spielende: Das war völlig unnötig unseren Goalie zu attackieren, wir stehen als Mannschaft zusammen und das passiert dann wenn wen den Torhüter anlangt.“
Max Sasson (USA): Es war ein hartes Spiel wir sind ein neues Team. Wir versuchen als Team das beste zu geben und es war unser erstes Spiel. Es gibt noch viele Spiele und wir werden sicher stärker. Es war eine tolle Stimmung in der Arena und es ist toll so zu spielen.“

Photo Gallery IIHF World Championship 2026 USA – SUI 1:3