Win2Day – aber erst zwei Sekunden vor Schluss

Zsombor Garát #70, Vinzenz Rohrer #19, Benjamin Nissner #70, Clemens Unterweger #92, IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser
Österreich gewinnt ein umkämpftes Spiel gegen Ungarn. Vor allem im mittleren Spielabschnitt mussten die Österreicher unten durch.

Österreich hat gegen Ungarn den zweiten Sieg eingefahren, musste dafür aber bis fast zur letzten Sekunde kämpfen. Nach einem zähen Spiel und einer turbulenten Schlussphase traf Nickl erst zwei Sekunden vor Ende ins leere Tor zum 4:2. Ungarn verkaufte sich teuer, Österreich gewann – aber souverän war dieser Nachmittag nicht.
Österreich startete mit Atte Tolvanen im Tor. David Kickert, zunächst erwartet, blieb draussen. Am Anfang änderte das wenig an der Ausgangslage: Österreich war Favorit, Ungarn musste nach der Niederlage gegen Finnland reagieren. Doch wer erwartet hatte, dass Österreich dieses Spiel früh sauber kontrollieren würde, sah schon im ersten Drittel, dass es komplizierter werden könnte.

Thimo Nickl #78, Atte Tolvanen #35, Péter Vincze #61, IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

In der fünften Minute erhielt Horvath wegen eines gebrochenen Stocks die erste Strafe der Partie. Österreich nutzte diese Überzahl sofort. Schneider brachte die Scheibe Richtung Tor, Rohrer stand richtig und verwertete den Abpraller zum 1:0. Ein idealer Start für Österreich: frühe Führung, Powerplay genutzt, Spiel eigentlich auf Kurs.
Eigentlich – Denn Österreich machte sich das Leben danach selbst schwer. In der zehnten Minute musste Rebering wegen Beinstellens auf die Strafbank. Ungarn nahm die Einladung an. Sofron zog von der blauen Linie ab, traf mit einem satten Slapshot zum 1:1 und brachte Ungarn zurück ins Spiel. Tolvanen war bei diesem Schuss geschlagen, der Ausgleich passte zur Partie: Österreich hatte den besseren Start, aber nicht die Kontrolle.
Die Shot Chart nach dem ersten Drittel unterstrich diesen Eindruck. Österreich war effizient, aber nicht dominant. Ungarn kam zu mehr Abschlüssen und zeigte früh, dass dieses Spiel kein gemütlicher österreichischer Nachmittag werden würde. Beide Tore fielen im Powerplay, und damit war die erste klare Erkenntnis gesetzt: Disziplin würde in diesem Spiel entscheidend sein.

Bence Bálizs #1, Vinzenz Rohrer #19, Zsombor Garát #70, IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Das zweite Drittel begann mit einer weiteren österreichischen Strafe. Huber sass wegen Beinstellens noch draussen, doch Ungarn machte aus der Überzahl zu wenig. Das Powerplay der Ungarn blieb schwach, Abschlüsse auf Tolvanens Tor blieben aus. Österreich überstand diese Phase, fand danach aber selbst nicht wirklich zur Ruhe.
In der 24. Minute musste Horvath wegen Beinstellens auf die Strafbank, drei Minuten später folgte Csollak ebenfalls wegen Beinstellens. Österreich hatte damit gleich mehrere Powerplay-Möglichkeiten. Das sah teilweise besser aus als das ungarische Überzahlspiel, wirklich zwingend wurde es aber selten. Die beste österreichische Chance des Drittels kam nach einer weiteren Strafe gegen Terbocs in der 38. Minute. Schneider knallte die Scheibe auf den ungarischen Torhüter, dieser liess sie gefährlich am Pfosten vorbeikullern. Mehr wurde daraus nicht.
Auffällig war in dieser Phase weniger das österreichische Powerplay als die österreichische Defensive. Immer wieder wirkte Österreich unsortiert, manchmal einen Schritt zu spät, manchmal schlicht nicht konsequent genug. Ungarn war nicht nur optisch präsenter als erwartet, sondern brachte Österreich wiederholt in Verlegenheit. Ob das an österreichischer Konzentration lag oder daran, dass Ungarn mit Tempo, Struktur und Automatismen mehr Probleme verursachte als erwartet, blieb offen. Klar war nur: Österreich kontrollierte dieses Spiel nicht.

Zsombor Garát #70, Vinzenz Rohrer #19, IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Auch die Shot Chart des zweiten Drittels zeichnete kein Bild klarer österreichischer Überlegenheit. Österreich hatte zwar leicht mehr Abschlussversuche, aber keine echte Dominanz. Viele Schüsse gingen vorbei, Ungarn blockte einiges weg und blieb selbst aktiv. Nach 40 Minuten stand es 1:1 – und Österreich musste sich fragen lassen, ob es wirklich wie der Favorit auftrat.
Im Schlussdrittel fand Österreich dann zunächst die Antwort. Die Österreicher zogen auf 3:1 davon und schienen das Spiel endlich in jene Richtung zu bringen, die man vor der Partie erwartet hatte. Ungarn musste mehr Risiko nehmen, Österreich hatte nun den Vorsprung, den es lange gesucht hatte. Für einen Moment sah es so aus, als könne der Favorit das Spiel kontrolliert nach Hause bringen.

Zétény Hadobás #23, Lucas Thaler #48, IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Doch dann kam die 53. Minute.
Innerhalb weniger Sekunden kassierte Österreich eine Doppelstrafe. Erst musste Thaler wegen Beinstellens hinaus, nur sechs Sekunden später folgte Biber wegen Spielverzögerung. Ungarn bekam die grosse Chance, nochmals zurückzukommen – und nutzte sie. Vincze traf hoch ins linke Eck zum 3:2. Tolvanen hatte keine Chance. Plötzlich war aus einem fast entschiedenen Spiel wieder ein offener Kampf geworden.
In der 58. Minute zog Ungarn den Torhüter. Der Druck auf Österreich stieg massiv. Die Österreicher mussten lange Wechsel fahren, kamen kaum sauber aus der eigenen Zone und konnten die Scheibe nicht kontrolliert befreien. Ungarn drückte, Österreich verteidigte, und die Partie blieb bis in die letzten Sekunden offen.
Erst zwei Sekunden vor Schluss war der Deckel drauf. Nickl traf ins leere Tor zum 4:2. Österreich durfte jubeln – aber erst ganz am Ende.

Team Austria and Fans (UFTA), IIHF World Championship 2026 AUT – HUN, Swiss Life Arena, Zürich © Puckfans.at / Andreas Robanser

Dieser Sieg bringt Österreich wichtige Punkte, aber er war härter erarbeitet, als es der Favoritenrolle lieb sein konnte. Ungarn kämpfte, blieb unangenehm und zwang Österreich bis fast zur Schlusssirene in einen echten Fight. Österreich gewann, weil es in den entscheidenden Momenten doch die besseren Antworten fand. Aber das Spiel zeigte auch: Gegen Gegner wie Ungarn reicht Talent allein nicht. Wer zu viele Strafen nimmt und defensiv zu oft die Ordnung verliert, serviert dem Gegner Chancen.
Oder, passend zum Titel: Win2Day – aber erst zwei Sekunden vor Schluss.

Stimmen zum Spiel:
Vinzenz Rohrer: Ich kann über das Spiel noch nicht viel sagen. Ich bin Mega müde jetzt nach dem Spiel aber wir haben jetzt die beiden wichtigen Spiele gewonnen. Das ist ein gutes Gefühl und jetzt kann es nur noch besser werden.
Leon Kolarik: Wir hatten einen wirklich guten Start und dann haben wir ein wenig nachgelassen. Wir haben da zu relaxt gespielt und auch Strafen genommen und dann bekommt man eben Tore im Penalty-Killing, aber im großen und ganzen war es eine gute Partie von uns. Mit sechs Punkten haben wir unser Ziel Klassenerhalt praktisch geschafft und jetzt schauen wir wie weit es noch geht.
Clemens Unterweger: Das erste große Ziel haben wir glaube ich erreicht jetzt fällt uns ein großer Stein von der Schulter. Wir haben es als Team so umgesetzt wie wir uns das vorgenommen haben. Wir haben gewusst das dieses Spiel gegen Ungarn sehr sehr wichtig sein wird und ich bin stolz auf jeden der da dabei ist. Wir genießen nun den freien Tag und wenn wir weiter so fokussiert sind wir in einer sehr guten Position. Am Dienstag geht es weiter gegen Lettland und wir kämpfen weiter um jeden Punkt.
Head Coach Roger Bader: Es war eine harte ausgeglichene Partie gegen einen guten Gegner. Nach 40 Minuten glaube ich war es ein verdientes Unentschieden für beide Mannschaften. Unsere Devise war geduldig bleiben und möglicherweise geht dann eine Torchance rein und das war am Ende auschlaggebend das wir in Führung gehen konnten. Am Ende war es ein großer Kampf mit dem 3 gegen 5 und 5 gegen 6. Rechnen kann man nicht das man mit sechs Punkten startet, ich habe es aber gehofft da wir gewusst haben das diese beiden Mannschaften mit uns auf Augenhöhe sind. Morgen haben wir frei den Tag brauchen wir auch. Wir haben unsere Träume und sollten wir einen dritten Sieg einfahren setzten wir neue Ziele.

Photo Gallery IIHF World Championship 2026 AUT – HUN 4:2