Eine Woche vor dem Start der IIHF Womens Worlds in Dänemark und dem abschließenden Camp in Villach sprach Puckfans.at mit der ÖEHV Stürmerin und PWHL Legionärin Theresa Schafzahl.
Das erste Spiel des österreichischen Frauenteams fand vor 25 Jahren statt. Einer der Stars des Fraueneishockeys ist Theresa Schafzahl. Die gebürtige Steirerin ist in den letzten Jahren zu einer der prägenden Spielerinnen des Teams geworden. Im November startet die 26-Jährige ihre vierte PWHL Saison.
Die Endwicklung im österreichischen Fraueneishockey sieht sie großteils positiv:
„So lange bin ich noch nicht dabei, es hat es aber viel verändert und es ist auch professioneller geworden und es spielen auch viel mehr Mädls jetzt Eishockey und das Niveau ist besser.“ Es fehlt aber noch einiges, damit alles super wäre und das Fraueneishockey voll entwickelt sei. So sei für Schafzahl noch viel zu tun und viele Dinge müssen verbessert werden. „Der Aufstieg in die Top Division ist aber schon etwas, was jahrzehntelang unser Ziel war, Das war für uns schon ein wahnsinniger Schritt.“
Besonders Spielerinnen wie Anna Meixner oder Charlotte Wittich, die schon so lange dabei sind, hätten es sich verdient bei einer Top Division WM auf das Eis laufen zu können.
Für die Weizerin ist der Aufstieg wohl sehr wichtig, man muss diesen aber auch nutzten: Man darf jetzt nicht sagen jetzt spielen wir einmal oben mit und dann ist es eh wieder egal. Dies sollte der Standard sein und dass wir den Klassenerhalt schaffen und und auf diesem Level uns etablieren können und nicht wieder absteigen und dann immer so wieder einmal aufsteigen. Sondern das wir wirklich jetzt den Schritt für die nächste Generation machen, dass dies der Standard und das wir auf diesem Niveau mitspielen können.“
Vor einigen Wochen zeigten die Spielerinnen das sie den Aufstieg nutzten wollen und forderten einige Verbesserungen, sogar ein WM Streik wurde in den Raum gestellt. Dieser wurde durch Gespräche mit dem ÖEHV und einer Einigung aber aus dem Weg geräumt. Ob diese Punkte auch alle ernsthaft umgesetzt werden sieht Theresa Schafzahl als recht schwierig zu kontrollieren an. Man ist sich im Team auch bewusst, dass sich viele Dinge nicht von heute auf morgen verändern.
„Dinge brauchen Geld und Dinge brauchen Zeit und es ist uns bewusst, dass wir dem Verband auch ein wenig vertrauen müssen, dass sie das auch wirklich ernst meinen mit den Sachen, die sie gesagt haben. Einige Dinge haben wir schriftlich festgelegt, aber wir müssen wir ihnen auch vertrauen.“
„In der Zukunft soll ein Spielerinnenrat eingeführt werden, wo sich dann alle Jahre immer einige von uns mit dem Verband treffen und besprechen, wo es hingehen soll. Und wie wir Feedback geben können, was passt und was sich noch verändern werden sollte.“
Die Message scheint aber bei den Verantwortlichen des ÖEHV angekommen zu sein, so sei das Camp in Klagenfurt sehr professionell abgelaufen und dies ließ die Spielerinnen positiv gestimmt sein.

© Puckfans.at/Andreas Robanser
So hat der ÖEHV einmal bis zum Ende der Weltmeisterschaft in Dänemark die Kanadierin Gina Kingsbury als General Managerin geholt.
Die Verpflichtung der Kanadierin sei aber nicht der primäre Gedanke gewesen, warum dieser „Aufstand“ gestartet wurde. So ging es nicht um einen Wechsel im Personal in den Gesprächen. Im Prozess der Gespräche habe man aber gemerkt, dass es mit Martin Kogler nicht mehr so passen würde.
Für Theresea Schafzahl ist es aber ganz wichtig Martin Kogler auch Danke zu sagen: Wir sind ihm sehr, sehr dankbar für das, was er gemacht hat und wir arbeiten jetzt schon wirklich lang mit ihm zusammen und wir kennen ihn persönlich schon sehr gut und wir sind ihm echt dankbar, weil er das alles gestartet hat und auch super Sachen gemacht hat. Aber jetzt hat es sich hin entwickelt, dass es einmal Veränderungen gibt. Es kam also nicht von unserer Seite, dass wir gesagt haben, dass wir jetzt die Gina oder irgendeine andere Person brauchen. Die Steirerin ist sich aber sicher, dass es auch mit Kogler Veränderungen gegen hätte, aber dies habe eben im laufenden Prozess nicht so funktioniert.
„Jetzt ist es für uns super, dass die Gina da ist, weil sie hat eine wahnsinnige Erfahrung in dem ganzen“. Gina Kingsbury wird diese Tätigkeit nun bis zum Ende des Turniers ausüben. Wie es nach der Weltmeisterschaft weiter geht, weiß man aber noch nicht, Schafzahl hofft aber, dass Kingsbury zumindest den Verband weiter mit Informationen versorgt und zur Hilfe steht.
Persönlich kennt Theresa Schafzahl die neue General Managerin von ihrer Tätigkeit als Managerin der Toronto Sceptres. So führten die beiden im Sommer Gespräche über einen möglichen Vertrag von Schafzahl mit Toronto.
„Den Namen und Persönlichkeit kannte ich natürlich aber auch schon früher, ich glaube es ist wichtig, dass es eine Neuerung gibt, das bringt neue Energie hinein. Damit hat jede Spielerin wieder mehr Motivation. Dies sei im Profisport aber öfters zu sehen wenn Personal ausgetauscht wird.
Vor der Weltmeisterschaft steht nun noch ein Vorbereitungscamp in Villach an. „Das wichtigste für uns ist – und ich glaub wir haben super Spielerinnen in Team, aber auch viele Spielerinnen, die auf diesem Nivea noch nicht so viel Eishockey gespielt haben.
„Wir haben viele, die in der EWHL Spielen, aber da muss man schon ehrlich sagen, dass dieses Niveau etwas anderes ist. Alle, die bei uns im Nationalteam sind, sind in der AWHL und EWHL die Topspielerinnen, die können mit der Scheibe viel machen und die Leute ausspielen, aber auf dem WM Niveau wird auf ganz was anderes wert gelegt. Die Taktik ist ganz anders und ich glaube, das ist das wichtigste, dass wir als Team unsere Systeme gut kennen und es konsequent spielen, denn ich glaube, das wird so mehr den Unterschied ausmachen als ob einige Einzellspielerinnen tolle Aktionen haben. Für uns wird eher wichtig sein, dass wir als Team kompakt stehen und unser System gut und diszipliniert spielen. Denn sonst werden die anderen Nationen, die eine wahnsinnige Klasse haben, dies wahrscheinlich ausnützen.“
Das Turnierziel für Theresa Schafzahl für die Weltmeisterschaft in Dänemark ist aber ganz klar der Klassenerhalt, auch wenn die Gegnerinnen alles andere als einfach sind. Dass der WM Start gegen Tschechien ist, sieht die Team Stürmerin als nicht negativ, da man in dieser Partie nicht so viel Druck hat.. „ Natürlich will man in jedes Spiel mit dem Gedanken gehen, dass man es gewinnen will, aber Tschechien ist ist schon eine super Mannschaft, das wissen wir und dass wir so erst im zweiten Spiel einen Gegner haben, wo wir uns auch gute Chancen erhoffen.“
Mit Deutschland wartet dann das Team wo sich Theresa Schafzahl gute Chancen ausrechnet einen Sieg einfahren zu können. „Die Deutschen sind auch ein super Team, die haben wir aber schon in den letzten Jahren hin und wieder geschlagen . Es ist schon ein Gegner den wir besiegen können und das ist auf alle Fälle unser Ziel, dass wir in der Gruppenphase ein Spiel gewinnen können. Man muss im Endeffekt nur ein Spiel gewinnen und dann ist man im Viertelfinale und das ist einmal das Ziel von uns.“
Sollte dies nicht gelingen wartet mit der Schweiz und den USA die Bronze- und Goldmedaillensiegerinnen von den olympischen Spielen in Mailand.
Die USA sieht die Steirerin als erarbeitet Zuckerl: Dass wir dieses Spiel gewinnen ist schon sehr unwahrscheinlich. Die sind im Moment viel besser , es kann immer alles passieren und ich würde sagen die USA stehen auch etwas über Kanada. Das Spiel gegen die USA wird eine sehr coole Partie für uns.
Zum Abschluss der Gruppenphase geht es dann gegen die Schweiz, wo sich Theresa Schafzahl, wenn alles sehr gut läuft, sogar erhofft etwas rausholen zu können.
Die Schweiz sei ein wenig im Umbruch, so haben einige Spielerinnen aufgehört. Die Stürmerin zeigt sich aber über die Schweizerinnen beeindruckt:
„Die macht das super in den letzten Jahren – es ist ein Wahnsinn, dass sie bei Olympia wieder eine Medaille gewonnen haben. Natürlich es wird schwierig, aber das ist ein Spiel, wo wir hoffen mithalten zu können und wenn es sehr gut läuft etwas rausholen zu können. Aber die Schweiz macht das immer super und die haben sich auf diesem Niveau etabliert und Hut ab wie die das mit nicht so vielen Spielerinnen machen . Schafzahl schätzt zum Vergleich Tschechien und Schweden stärker ein als die Schweizerinnen. Therasa Schafzahl: „Die Schweiz macht das dann immer richtig und gewinnt dann auch die wichtigen Spiele.“
Sollte das mit dem Klassenerhalt in der Gruppenphase nicht funktionieren, so bliebe aber immer noch das Relegationsspiel um das gesetzte Ziel doch zu erreichen.

Group A SUI – USA
Saskia Maurer #29, Hilary Knight #21, Shannon Sigrist #9
Wukesong Sports Centr, Beijing © Andreas Robanser
Der Respekt sollte aber für das ÖEHV Team trotz Spielerinnen wie PWHL Top Scorerin Kelly Pannek oder die ehemaligen Team Kolleginnen bei den Boston Fleet Goalie Aerin Frankel oder die Schweizerin Alina Müller nicht zu groß sein. „Es ist schon wichtig Respekt zu zeigen, aber auch nicht mit OOHHH mein Gott (Hillary Knight) oder so aber ich glaube viele, die diese Person so noch nie gesehen haben, denken sich: Oh die ist so so gut. Das sind sie natürlich auch, da brauchen wir aber selbst ein wenig Selbstvertrauen, damit wir relativ gut mithalten können. Wenn man zu viel Respekt hat, ist es auch nicht gut und man muss sich selber auch etwas zutrauen, weil sonnst kann es nicht gut ausgehen.“

Für Theresa Schafzahl sind diese Namen in der PWHL Alltag, gehört die 26-Jährige doch der besten Frauenliga seit der Gründung 2023 an, wo sie bis Mitte März für die Boston Fleet spielte, bevor sie zu Liganeuling Seattle Torrent transferiert wurde.
In diesen vergangenen drei Jahren hat sich in der PWHL einiges geändert: Im ersten Jahr war es noch etwas chaotisch, weil die Liga wurde erst einige Monate vor dem Start gegründet – am Anfang war es noch nicht so organisiert, was auch klar ist, aber es war bereits im ersten Jahr cool.“ Die Liga hat sich in der Folge weiter entwickelt und wurde immer professioneller und die Steirerin hofft, dass die Endwicklung so weiter geht. So wechseln die Teams immer mehr in die großen Arenen, die auch von den NHL Teams bespielt werden: „ Ich hoffe, dass es so weiter geht, denn es ist wirklich gut zu sehen, dass es sich so positiv entwickelt.“
Über ihren Transfer im März war Theresa Schafzahl zu Beginn nicht ganz glücklich, doch dies änderte sich rasch: Im Moment war ich sehr traurig, weil es mir in Boston sehr gut gefallen hat und es mit den Fleet auch richtig gut gelaufen ist. Zum Zeitpunkt des Wechsels waren wir Tabellenerste. Ich habe es aber versucht, es positiv zu sehen und wenn ein Team einen will, dann weiß man, dass man eine gute Chance bekommt und viel Eiszeit hat.“ So ein Transfer zeigt aber auch, dass ein Team eine Spielerin haben will, weil sie glauben, dass man eine gute Spielerin verpflichtet. Mit dem Team waren dann nicht mehr so viele Spiele in der Saison übrig und es war praktisch schon unmöglich in die Playoffs zu kommen.“
Einer der Gründe war aber auch, dass einige Spielerinnen der Torrent verletzungsbedingt fehlten. Für die ÖEHV Stürmerin war es aber trotz allem sehr positiv. „Ich habe viel gespielt, ich habe mit wahnsinnig guten Spielerinnen in der Linie spielen können. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.“
Die Stadt Seattle gefällt ihr sehr gut und die positiven Eindrücke dazu geführt, dass Theresa Schafzahl sich entschieden hat, auch die beiden nächsten Spielzeiten in Seattle zu verbringen.
Die Ziele sind natürlich sportlich die Playoffs zu erreichen. Durch die vier neuen Teams hat sich die Liga erneut verändert: Es ist wirklich schwierig zu sagen, welche Teams vorne dabei sind, aber das Ziel ist natürlich die Playoffs zu schaffen und dann kann ja immer alles passieren. Ich hoffe nur, dass es nicht so wie in der letzten Saison wird, dass wir schon einige Spiele vor Ende der regulären Saison schon wussten, dass sich die Playoffs nicht mehr ausgehen werden. Das ist nicht so lustig – Playoffs sind das am Abstand lustigste!“

© CREDIT PWHL
Mit den neuen Teams nimmt die Seattle Stürmerin an, dass das Level in der Liga wegen der vielleicht noch etwas fehlenden Dichte etwas sinken wird. Dies sieht Schafzahl aber auch als Vorteil: „Ich glaube, es wird für die Fans attraktiver, weil bisher waren alle Teams voll auf Augenhöhe und die durchschnittliche Torzahl war nicht so hoch, weil von der ersten bis zur vierten Linie nicht so ein Unterschied war. Dieser könnte nun etwas größer werden und das macht es dann einfacher und mehr Tore werden passieren.
Ich hoffe, dass es bei den Fans wie bei den zwei neuen Teams aus Seattle und Vancouver sehr gut funktioniert. Da waren die Zuschauerzahlen sehr, sehr gut und ich hoffe, das wird jetzt bei den neuen vier Teams auch so sein.
Die Steirerin würde sich aber wünschen, dass es dann einmal bei 12 Teams in der PWHL bleibt. Damit können neue Talente nachkommen und das Level auch wieder sehr gut sein kann.
Einen Vorteil haben die vier neuen Teams in der 12. Liga aber auf alle Fälle: „Es ist sehr gut, dass noch mehr Frauen die Chance bekommen im professionellen Bereich ihren Sport ausüben zu können!“