Fribourg gewann gegen die Graz99ers. Den Gästen aus der Schweiz reichten 39 Sekunden um den Sieg in trockene Tücher zu wickeln.
Fribourg erwischte in Graz den besseren Start und brauchte nicht lange, um sich auf der Anzeigetafel zu melden. Nach 3:59 Minuten traf Lucas Hedlund nach Vorarbeit von Jacob de la Rose und Marcus Sörensen zum 0:1. Früh effizient, früh in Führung – und zunächst sah das für den Schweizer Meister ziemlich ordentlich aus.
Danach kamen die 99ers aber immer besser ins Spiel und begannen, Fribourg mit deutlich mehr Abschlussvolumen zu beschäftigen. Graz schoss häufiger, gewann mehr Bullys und zwang Ludovic Waeber immer wieder zur Arbeit. Ganz so wild, wie es die nackten Schusszahlen vermuten liessen, war es allerdings nicht: Ein grosser Teil der Grazer Abschlüsse kam aus weniger gefährlichen Positionen.
Bei den wirklich heissen Chancen war das Bild etwas differenzierter. Graz lag bei den High-Danger-Abschlüssen nach 40 Minuten mit 5:4 nur knapp vorne, erzeugte daraus mit 1,62 gegenüber 0,97 Expected Goals aber die grössere Gefahr. Fribourg musste also arbeiten, wurde aber keineswegs an die Wand gespielt.
Kurz vor der ersten Pause bestrafte sich Gottéron dann selbst mit zwei Strafen in kurzer Folge. Zuerst musste Yannik Boppart wegen Hakens raus, kurz darauf Lucas Hedlund wegen hohen Stocks. Die erste Unterzahl überstand Fribourg noch, die zweite nicht. 14 Sekunden vor der Sirene traf Christopher Collins im Powerplay nach Vorarbeit von Paul Huber und Nick Swaney zum 1:1.
Ein ziemlich unangenehmer Zeitpunkt, um eine Führung noch herzugeben.
Im zweiten Drittel änderte sich am Resultat nichts. Graz produzierte weiterhin mehr, Fribourg hielt dagegen und das Spiel offen. Nach 40 Minuten standen 45:36 Schussversuche und 22:16 Schüsse aufs Tor für die 99ers. Auch die Expected Goals lagen mit 2,70:2,18 auf Grazer Seite.

Das erzählt die ersten zwei Drittel eigentlich ziemlich gut: Graz hatte mehr Volumen und etwas mehr Gefahr, Fribourg aber genug Qualität und Stabilität, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen.
Ein wesentlicher Grund dafür stand im Tor. Ludovic Waeber stoppte bis dahin 21 von 22 Schüssen. Auf der anderen Seite hielt Nicolas Wieser 15 von 16. Beide Torhüter sorgten dafür, dass aus einem durchaus unterhaltsamen Spiel zunächst keine Tororgie wurde.
So ging es mit 1:1 in die zweite Pause. Für Fribourg war das angesichts des Grazer Abschlussübergewichts ein durchaus ordentliches Zwischenresultat. Nicht dominant, nicht spektakulär – aber stabil genug, um nach 40 Minuten weiterhin alle Möglichkeiten zu haben.

Roger Rönnberg dürfte als vierfacher CHL-Sieger ohnehin wissen, dass europäische Auswärtsreisen selten nach vier Minuten entschieden sind.
Und irgendwie passte das auch zur Vorgeschichte dieser Reise. Fast zwei Jahrhunderte habsburgischer Geschichte lassen sich aus Freiburg nicht einfach wegwischen – und auch die Grazer erwiesen sich an diesem Abend als ausgesprochen hartnäckige österreichische Bekanntschaft.Nach 40 Minuten war jedenfalls klar: Um die drei Punkte würde noch verhandelt.
Diesmal immerhin ohne Kaiser, Erbfolge und Friedensvertrag.
Im Schlussdrittel begann Fribourg dann, aus dem bislang offenen Spiel Kapital zu schlagen.
Zunächst sah es kurz danach aus, als hätte Gottéron bereits nach 49:04 wieder getroffen. Die Schiedsrichter bemühten den Videobeweis und prüften, ob der Puck die Torlinie vollständig überschritten hatte. Die Entscheidung auf dem Eis lautete No Goal – und dabei blieb es auch nach der Überprüfung.
Fribourg liess sich davon nicht sonderlich beeindrucken.
Rund fünf Minuten später ging plötzlich alles sehr schnell.
Bei 53:42 brachte Yannick Rathgeb die Gäste nach Vorarbeit von Maximilian Streule wieder in Führung.
39 Sekunden später stand es 1:3. Anthony Richard traf nach Zuspiel von Marcus Sörensen und Michael Kapla.

Das war der Moment, in dem sich die Partie drehte. Graz hatte über weite Strecken mehr Abschlüsse produziert, Fribourg aber schlug genau dann zu, als es richtig wehtat. Aus einer völlig offenen Partie wurde innerhalb von 39 Sekunden eine ziemlich unangenehme Aufgabe für die 99ers.
Ganz erledigt war diese allerdings noch nicht. Graz nahm Nicolas Wieser bereits 3:02 Minuten vor Schluss vom Eis und warf mit einem zusätzlichen Feldspieler noch einmal alles nach vorne. Das Risiko zahlte sich tatsächlich aus: Bei 58:56 verkürzte Marcus Vela nach Vorarbeit von Paul Huber und Frank Hora im Powerplay und mit Extra Attacker auf 2:3.
Plötzlich war die Partie wieder offen und für einen kurzen Moment durfte Graz sogar davon träumen, die österreichische Herrschaft über die Freiburger Geschichte wenigstens um eine Verlängerung zu ergänzen. Fribourg hatte allerdings wenig Interesse an weiteren historischen Verwicklungen. In der Schlussminute traf Anthony Richard ins leere Grazer Tor und machte mit seinem zweiten Treffer des Abends den Deckel drauf.

Damit bekam auch unsere kleine Geschichtsstunde ihren passenden Schlusspunkt. Die habsburgische Episode Freiburgs dauerte einst fast zwei Jahrhunderte. Für die entscheidende Machtverschiebung an diesem Abend benötigten Rathgeb und Richard gerade einmal 39 Sekunden. Richard erledigte mit dem Empty Netter anschliessend noch die Formalitäten – und beendete damit jede weitere dynastische Diskussion.
Graz hatte über weite Strecken mehr Abschlussvolumen. Fribourg hatte Waeber, die nötige Geduld und in den entscheidenden Momenten die grössere Effizienz.
Und so zieht der Drache mit drei Punkten weiter nach Klagenfurt.
Historisch gesehen gab es kompliziertere Beziehungen zwischen Freiburg und Österreich. Sportlich gesehen dürfte Gottéron mit dieser Variante ausgesprochen gut leben können.
Stimmen zum Spiel:
Graz Präsident Herbert Jerich: Ich bin super Stolz auf meine Mannschaft aber leider hat uns eine fünf Minuten Konzentrationsschwäche vielleicht sogar den Sieg oder die Verlängerung gekostet. Es ist aber ein gutes Vorzeichen für die nächsten Spiele.
Kilian Zündel: Es war ein Spiel auf hohen Niveau würde ich sagen, wir haben ein gutes Spiel gespielt überhaupt wenn man den Kader betrachtet und die Rollenverteilung ansieht. (Der Ex Ambri Spieler wurde als Stürmer eingesetzt). Es war für mich schon cool für mich war es ein kleiner Flashback zu meiner Schweiz Zeit und gegen Fribourg habe ich damals schon gerne gespielt darum war es schon richtig cool.
Jonas Taibel: Graz ist eine super Mannschaft, ich habe Kollegen die in der Liga spielen und so habe ich diese auch beobachtet. Wir haben nicht immer unser Spiel gespielt, erst am Ende haben wir mehr unser Spiel gespielt. Sie haben viele schnelle und gute Spieler. Es ist cool in Österreich zu spielen auch wenn ich nicht direkt hier aufgewachsen bin. Es ist schon speziell ja! Meine Eltern und meine Schwester waren heute schon da aber wir waren weiter nach Kärnten wo noch weitere Verwandtschaft kommen wird.
Photo Gallery Champions Hockey League Graz99ers – HC Fribourg-Gotteron 2:4