
Dies Schweiz siegt verdient mit 6:1 gegen Deutschland.Die DEB Mannschaft bleibt damitweiter ohne Zähler.
Die Schweiz schlägt Deutschland 6:1 – und dieses Resultat erzählt nur einen Teil der Geschichte. Denn dieses Spiel war lange kein wildes Schweizer Offensivfeuerwerk. Es war zunächst ein kontrolliertes, aber torloses Nachbarduell, in dem Deutschland durch einen überraschenden Torhüterwechsel Stabilität suchte und die Schweiz zwar mehr Abschlüsse hatte, aber noch nicht den richtigen Schlüssel fand.

Dann kam das zweite Drittel. Und plötzlich wurde aus einem 0:0 eine Schweizer Machtdemonstration. Fünf Tore im Mittelabschnitt, drei davon innerhalb von 3 Minuten und 33 Sekunden, dazu zwei späte Powerplay-Treffer. Deutschland wurde in rund 13 Minuten zerzaust. Und spätestens nach diesem Auftritt wird die Frage um Harold Kreis noch lauter: Bleibt er an der Bande?
Deutschland überraschte die Schweiz schon vor dem ersten Bully. Nicht Philippe Grubauer stand im Tor, sondern Stettmer von den Eisbären Berlin. Für ihn war es der erste Einsatz überhaupt an einer IIHF-Weltmeisterschaft. Diese Entscheidung schien auch die Schweizer etwas zu überraschen. Einige Abschlüsse wirkten im ersten Drittel noch auf Grubauer geeicht. Gegen einen fast zwei Meter grossen Torhüter wie Stettmer braucht es andere Lösungen: mehr Verkehr vor dem Tor, mehr Querbewegung, mehr Abpraller, weniger sichtbare Abschlüsse aus mittlerer Distanz.

Die Schweiz hatte im ersten Drittel mehr vom Spiel. Deutschland kam nur selten aus eigener Struktur zu gefährlichen Aktionen, sondern vor allem dann, wenn die Schweizer Fehler anboten. Die Shot Chart bestätigte diesen Eindruck: mehr Schweizer Abschlüsse, mehr Schweizer Scheiben aufs Tor, aber noch kein Treffer. Stettmer hielt ruhig, wirkte stabil und gab Deutschland genau das, was es nach dem schwachen Auftritt gegen Lettland brauchte: Zeit.
Auch die Spielleitung passte zu diesem Nachbarduell. Holm und Ondracek liessen Härte zu, aber nicht Chaos. Das war Reiber/Kurmann-Style: nicht kleinlich, aber kontrolliert. Körper ja, Dummheiten nein. Für ein Spiel wie Deutschland gegen die Schweiz war das genau die richtige Linie.
Sportlich blieb das erste Drittel aber torlos. In der zweiten Minute sass Andrighetto wegen Beinstellens draussen, doch Deutschlands siebtes Powerplay des Turniers blieb wie so oft schwach. In der neunten Minute musste Fischbuch wegen Stockschlags auf die Strafbank, doch auch die Schweiz brachte in Überzahl zu wenig Druck zustande und hatte Mühe, sauber in die Offensivzone zu kommen. Kurz vor der Pause nahm Timo Meier wegen übertriebener Härte die nächste Strafe. Deutschland startete also mit Powerplay ins zweite Drittel.Und genau dort kippte das Spiel.

Kahun hatte in dieser Überzahl die Chance, Deutschland mit 1:0 in Führung zu bringen. Es war einer dieser Momente, in denen ein Spiel eine andere Richtung nehmen kann. Deutschland hätte den eigenen Frust aus dem Lettland-Spiel abschütteln, Stettmers Start belohnen und die Schweiz erstmals wirklich unter Druck setzen können.Stattdessen machte die Schweiz daraus den Wendepunkt.
Josi krallte sich die Scheibe, lief über das ganze Feld und zog die deutsche Defensive tief. Dann kam der Pass zu Nico Hischier, der an der blauen Linie verzögerte. Hischier wartete, schob weiter zu Malgin, und Malgin machte etwas, das kaum logisch aussah: Er wartete ebenfalls kurz und traf dann aus fast unmöglichem Winkel zur Schweizer Führung. Ein Shorthander. 0:1. Aus deutscher Überzahl wurde Schweizer Präzision. Allein dieses Tor war brutal.Noch brutaler war, was danach folgte.
In der 29. Minute wurde es aus deutscher Sicht fast slapstickhaft. Kai Wissmann schlug über die Scheibe. Timo Meier reagierte sofort, spielte zu Malgin, Malgin legte weiter auf Andrighetto, und Andrighetto schloss herrlich zum 0:2 ab. Wissmann sass danach wütend auf dem Eis und hämmerte seinen Stock hart auf die Fläche. Es war ein starkes Bild für den deutschen Frust: ein Moment zu spät, ein Fehler zu viel, und die Schweiz war schon wieder durch.
Nur 35 Sekunden später lag die Scheibe erneut im deutschen Tor. Niederreiter wurde angeschossen, konnte den Puck zunächst nicht kontrollieren und fiel aufs Eis. Doch im Fallen sah er, dass die Scheibe noch frei war, erwischte sie irgendwie im Springen und brachte sie weiter zu Bertschy. Der nahm das Geschenk an und traf zum 0:3. Aus einem offenen 0:0 war in 3 Minuten und 33 Sekunden ein Schweizer Wirkungstreffer nach dem anderen geworden. Deutschland hatte im Powerplay die Chance auf die Führung. Die Schweiz nahm diesen Moment weg – und gab ihn mit Zinsen zurück. Danach war Deutschland sichtbar platt.
Die Schweiz übernahm nun komplett. In der 38. Minute traf Hischier im Powerplay zum 0:4. Wieder war Josi der Drahtzieher. Er legte zurück auf Meier, Meier spielte weiter zu Hischier, und der sagte danke. Nur kurz darauf folgte das 0:5. Jäger spielte zu Niederreiter, der sah Josi, legte quer – und Josi schaute. Und schaute. Und schaute. Weil niemand wirklich eingriff, schoss er eben selbst.
Fünf Schweizer Tore im zweiten Drittel. Deutschland war nicht nur geschlagen. Deutschland war auseinandergefallen.

Im dritten Drittel legte die Schweiz in der 46. Minute sogar das 0:6 nach. Andrighetto verwertete einen Abpraller und traf zum zweiten Mal an diesem Abend. Für einen Moment war der Abend damit auch statistisch historisch: Die Schweiz hatte ihren höchsten Sieg gegen Deutschland egalisiert. Doch diese Nebenklammer hielt nicht bis zum Schluss.
In der 56. Minute erzielte Tiffels den deutschen Ehrentreffer zum 1:6. Für Deutschland war es Ergebniskosmetik. Für die Schweiz war es ein kleiner statistischer Ärger. Genoni verlor dadurch den Shutout, und damit wurde auch die Chance auf den alleinigen WM-Shutout-Rekord an diesem Abend vertagt. Am Charakter des Spiels änderte dieser Treffer nichts mehr.
Die Schweiz hatte Deutschland längst zerlegt. Der Sieg war in seiner Entstehung bemerkenswert. Nicht, weil die Schweiz von Beginn an alles überrollte. Sondern weil sie geduldig blieb, das Spiel kontrollierte und dann im richtigen Moment zuschlug.
Wenn ein Team wie Deutschland in einem Nachbarduell nach einem Shorthander so auseinanderfällt, dann geht es nicht nur um einzelne Fehler. Dann geht es um Struktur, Vertrauen und inneren Zugriff.
Die Schweiz nimmt diesen Abend mit: klare Dominanz, fünf Tore im Mitteldrittel, Josi als Taktgeber, Malgin als Wendepunktspieler, Andrighetto mit zwei Treffern, Genoni mit einem kleinen statistischen Ärger kurz vor Schluss. Deutschland nimmt mehr mit als eine Niederlage. Es nimmt eine Frage mit: Bleibt Kreis an der Bande?
Stimmen zum Spiel:
Dominik Egli (SUI): Im ersten Drittel war es ganz ausgeglichen, es war so wie wir nicht starten wollten. Im zweiten Drittel haben wir zugelegt. Die Effizienz war super das Powerplay hat funktioniert. Das einzige Makel ist das wir nicht zu Null gespielt haben. Ich glaube das 1:0 war der Turning Point. Nach dem Shorthander haben wir mit mehr Selbstvertrauen gespielt.
Leonardo Genoni (SUI): Es war knapper als das Resultat aussagt, besonders im ersten Drittel hatten wir einige Torn-Over. Im zweiten Drittel bekamen sie ein weiteres Powerplay durch dumme Strafen. Die schießen auf die Stange und im Gegenangriff können wir den Führungstreffer erzielen. Von da an ging praktisch jeder Schuss rein. Für den deutschen Goalie tut es mir sogar etwas leid da er eine sehr gute Leistung gezeigt hat.
Marc Michaelis (GER): Das erste Drittel war gut, genau so wie wir uns das vorgestellt haben phisisch und geradlinig. Im zweiten Drittel haben wir uns dann leider selbst ein Bein gestellt. Wenn man solche Fehler machst dann verlierst du halt einmal mit 1:6.