Kann die Nordamerika Übermacht durchbrochen werden?

Olympic Games 2022 Hockey Women Gold Medal Game, Team Canada
Wukesong Sport Centr, Beijing © Andreas Robanser
Mit den Titelverteidigerinnen Kanada und dem Team USA gelten erneut die beiden Teams aus Nordamerika zu den großen Favoritinnen am Olympia Hockey Turnier.

Morgen startet in Mailand das Frauen Olympia Turnier. Dabei sind mit den amtierenden Olympiasiegerinnen aus Kanada und den USA Frauen die ersten beiden Platzierungen wohl bereits vergeben. Das Aushängeschild der Kanadierinnen ist dabei sicherlich die bereits dreimalige Olympiasiegerin Marie Philip Poulin.Die 34-Jährige geht in ihre nun bereits fünften Spiele. Nur 2018 musste sich die Poulin mit Silber begnügen. Das die Stürmerin noch immer zu den besten Spielerinnen ihres Landes gehört zeigt das Poulin in der diesjährigen PWHL Saison mit 14 (7+7) Punkten für die Montreal Victoire auf dem 7. Platz der PWHL Scorerliste steht.

Olympic Games 2022, Hockey Tournament Women
Group A CAN – FIN, Natalie Spooner #24
Wukesong Sports Centr, Beijing © Andreas Robanser

Drei kanadische Spielerinnen bestreiten ihre vierten Olympischen Spiele wobei Brianne Jenner im Moment mit 15 (8+7) Punkten in der PWHL hinter vier US Amerikanerinnen die beste kanadische Scorerin in der PWHL und für ihr Team der Ottawa Charge ist.
Natalie Spooner, eine weitere Akteurin mit vier Olympischen Spielen ist mit 20 (5+15) hinter Marie Philip Poulin mit 35 (17+18) zugleich auch die zweit erfolgreichste Spielerin des kanadischen Teams an olympischen Spielen. Das es bereits ihre vierten Spiele sind findet Spooner unglaublich: „Bei den ersten Olympischen Spielen denkt man nie, dass man es zum vierten Mal schaffen wird, es ist ein Traum wahrgeworden. Als Spieler muss man sich immer wieder beweisen. Wenn es um eine Goldmedaille geht, spielt man mit dem unbedingten Willen, es allen zu zeigen.“
Die 4.Kanadierin mit 4 Olympic Games ist Jocelyne Larocque die wie Brianne Jenner ebenfalls bei den Ottawa Charge in der PWHL tätig ist.
Team Canada ist auch das einzige Team an diesen Spielen die nur Spielerinnen aus der PWHL für dieses Turnier genannt haben.

Olympic Games 2022 Hockey Tournament Women Semifinal USA – FIN
Nelli Laitinen #9, Kendall Coyne Schofield #26
Wukesong Sports Centre, Beijing © Andreas Robanser

Die USA setzt hingegen bereits auf sieben Spielerinnen aus der NCAA. Sechs Spielerinnen kommen aber gleich von den Minnesota Frost. Das PWHL Team konnte bisher beide Meisterschaften für sich entscheiden und auch in der diesjährigen Scorerwertung liegen gleich vier Spielerinnen voran.
Die PWHL Topscorerin mit 16 (10+6) Punkten in dieser Saison ist Kendall Coyne Schofield. Sie geht in Mailand in ihre vierten Spiele wobei sie 2018 in Korea ihre bisher einzige Goldmedaille gewinnen konnte.
Ebenfalls Gold 2018 gewann Kelly Pannek. Die 30-Jährige liegt hinter ihren weiteren Frost Kolleginnen Britta Curl 16 (7+9) und Taylor Heise 16 (3+13) mit 15 (8+5) Punkten aber „nur“ auf Platz 4 der PWHL Scorerwertung.
Als einzige Spielerin des Team USA geht die 36-jährige Hilary Knight in ihre fünften olympischen Spiele. „Es ist jedes Mal eine Ehre, sein Land auf der Weltbühne zu vertreten, aber so lange Teil dieses olympischen Traums zu sein, war ein magisches Erlebnis.“ Die Kapitänin der Seattle Torrent sieht ihr Team USA aber nicht als die Top Favoritinnen an. So gibt sie gleich mehreren Teams die Chance Gold zu gewinnen. Ein Grund dafür sieht Knight in der PWHL die das Niveau im Fraueneishockey deutlich erhöht hätte.

Susanna Tapani #77, Andrea Trnková #15, FIN – CZE, IIHF Women’s World 2025, Budvar Arena, Ceske Budejovice © Puckfans.at / Andreas Robanser

Finnland möchte nach zwei Bronzemedaillen in Folge bei Olympia und Weltmeisterschaften erneut unter die Top 3 Plätze kommen. In den letzten Jahren waren die Finninnen auch das Team das Kanada und die USA fordern konnte. Vier Spielerinnen sind auch in der PWHL tätig wobei Susanna Tapani bei den Boston Fleet eine wichtige Rolle einnimmt und mit 8 (4+4) Punkten auch die drittbeste Scorerin ihres Teams ist.
Zwei Spielerinnen gehen in ihre bereits fünften Winterspiele. Eine ist die 35-jährige Michelle Karvinen die für die PWHL Neulinge der Vancouver Goldeneyes tätig ist. Neben ihr wird auch die Verteidigerin Jenni Hiirikoski ihre fünften Spiele bestreiten. Seit 10 Jahren spielt die 38-Jährige bereits für Lulea in Schweden wo sie als Verteidigerin trotzdem immer zu den Top Scorern ihres Teams gehört. Auch Hiirikoski sieht die Ausgangslage für dieses Turnier durch die PWHL als verändert an. „Ich bin ich gespannt, wie die Spiele verlaufen werden. Wir wissen aber auch, dass die Gegnerinnen sehr stark sein werden. Es ist ein großer Vorteil für uns, dass wir Spielerinnen in der PWHL haben.“ Ob dies ihre letzten Spiele sein werden ließ die Finnin noch offen, sie möchte diese Spiele aber auf alle Fälle genießen.
Eine wichtige Rolle im Team wird auch für Goalie Sanni Ahola. Für sie geht ein Traum in Erfüllung: „Ich habe mein ganzes Leben davon geträumt, ich bin wirklich sehr glücklich.“ So wird die 25-jährige Ottawa Charge Torfrau ihre ersten Spiele für Finnland bestreiten.

CZE Head Coach Carla MacLeod, CZE – SUI, IIHF Women’s World 2025, Budvar Arena, Ceske Budejovice © Puckfans.at / Andreas Robanser

Tschechien darf sich in Mailand wohl auf ihre erste Olympiamedaille träumen. Nachdem es 2022 noch Niederlagen gegen Japan und Dänemark gab hat sich das Frauen Eishockey in Tschechien in den letzten Jahren stark weiter entwickelt und so musste man sich bei den letzten vier Weltmeisterschaften immer erst im Spiel um Platz 3 geschlagen geben. Ein weiterer Schritt nach vorne ist den Tschechinnen
Mit Kristyna Kaltounkova hat das tschechische Team um die kanadische Trainerin Carla MacLeod auch eine PWHL Top 10 Scorerin in ihren Reihen. Kaltounkova, die für die New York Sirens ihre erste PWHL Saison bestreitet, liegt mit 12 (6+6) Punkten auf Platz 8 und ist zugleich die einzige nicht nordamerikanische Spielerin in den PWHL Top 20.
Carla MacLeod trainiert seit drei Jahren die Ottawa Charge und stand zuletzt mit ihren Team im PWHL Finale. Nachdem MacLeod von 2011 bis 2014 das japanische Team unterstützte zeigt sich seit dem Vertrag mit dem tschechischen Verband auch dort seit 2021 eine klare Leistungssteigerung und dies schlägt sich auch in der PWHL nieder wo gleich acht tschechische Spielerinnen tätig sind.

Olympic Games 2022 Hockey Tournament Women Semifinal CAN – SUI
SUI Head Coach Colin Muller
Wukesong Sports Centre, Beijing © Andreas Robanser SUI

Doch auch die Schweiz träumt nach 2014 in Sochi wieder von einer Medaille. Der Schweizer Head Coach Colin Muller meinte das man nicht nach Mailand gekommen ist um fünfter zu werden und sprach vom Ziel einer Medaille. Dabei setzt Muller auf seine Toplinie, doch sollte diese nicht punkten sieht der gebürtige Kanadier aber ein größeres Problem. Lara Stalder und Alina Müller sind die beiden Spielerinnen die bereits 2014 beim Bronze Gewinn mit dabei waren. Alina Müller die seit drei Jahren bei den Boston Fleet spielt und dort die erfolgreichste Scorerin der Teamgeschichte ist, hält auch einen Olympia-Rekord. So ist die Schweizerin die jüngste Olympia Teilnehmerin eines Teambewerbs die eine Olympia Medaille gewinnen konnte. Zusätzlich ist Alina Müllers Mutter Italienerin so ist es für sie etwas ganz spezielles so nahe der Heimat wieder an olympischen Spielen teilnehmen zu können.
Das Aushängeschild des Schweizer Eishockeys ist aber Lara Stalder. Die 31-Jährige spielte lange in Schweden bevor sie 2023 zurück in die Schweiz ging um in Zug das Fraueneishockey beim EV Zug sowie in der Schweiz noch stärker unterstützen zu können.
Neben diesen beiden Spielerinnen kann Colin Muller noch auf Nicole Vallario setzten. Die 24-Jährige wechselte heuer in die PWHL wo sie im Moment nur im Reserve Team der New York Sirens steht. Bei ihren ersten der beiden PWHL Einsätzen konnte die Verteidigerin aber sofort ihren ersten Treffer erzielen.

Olympic Games 2022 Hockey Tournament Women Semifinal CAN – SUI
Lara Stalder #7, Ashton Bell #21
Wukesong Sports Centre, Beijing © Andreas Robanser

Schweden mit der wohl stärksten Frauenliga in Europa möchte heuer wieder etwas mehr mitbestimmen. So wartet man seit bereits nach Silber 2006 und Bronze 2004 bereits seit vier olympischen Spielen wieder auf Edelmetall. Mit vier Spielerinnen aus der PWHL hat man auch die nötige Unterstützung aus der stärksten Frauen Liga.
Neben den vier Schwedinnen hat auch die DEB Auswahl die erstmals seit 2014 wieder an olympischen Spielen teilnimmt drei Spielerinnen in der PWHL.
Damit haben nur Frankreich und Japan keine Spielerinnen in der PWHL. Selbst die Turniergastgeberinnen die zuletzt zumindest den Sprung in die Division 1A geschafft haben können mit Kristin Della Rovere von den Toronto Sceptres auf eine PWHL Spielerin setzten. Ob dies bei der ersten Olympia Teilnahme eines italienischen Frauenteams für einen Sieg reichen wird ist aber wohl fraglich.