
In einem der besten Finale der Neuzeit gewann die USA das olympische Gold. Nach 46 Jahren und dem Wunder Lake Placid. Es war Dramatik pur.
„Dieses Spiel wird einen Helden hervorbringen.“ Als The Hockey News diesen Satz vor dem Finale schrieb, war klar, dass es nicht nur um Gold gehen würde. USA gegen Kanada. Olympisches Finale 2026 in Mailand. Zwei Nationen, deren Eishockey-Geschichte sich immer wieder kreuzt. Zwei Traditionen, die sich gegenseitig definieren. Und ein Spiel, das all das in sich trug: Vergangenheit, Gegenwart und den Moment, der alles entscheidet.

Für die USA war dieses Finale mehr als ein Endspiel. Es war ein Echo. 46 Jahre nach dem Miracle on Ice von Lake Placid 1980 stand erneut eine amerikanische Mannschaft auf olympischem Eis mit der Chance, Geschichte zu schreiben. Damals war es ein College-Team, das die Sowjetunion bezwang und später Gold gewann – ein politisch aufgeladener Moment inmitten des Kalten Krieges. 2026 war die Welt eine andere. Doch die Sehnsucht nach einem eigenen, epochalen Augenblick war geblieben.
Kanada trug seine eigene Erinnerung mit sich. Vancouver 2010. Sidney Crosby in der Verlängerung gegen Russland. „The Golden Goal“. Doch diesmal stand Crosby nicht auf dem Eis. Verletzt. Eine Ikone fehlte. Und noch jemand fehlte. Russland war nicht Teil dieses Turniers. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern als Folge eines Angriffskrieges, der politische Konsequenzen nach sich zog – auch im Sport. Das Niveau war hochklassig, die Intensität maximal. Und dennoch blieb ein Schatten: Dieses Turnier war stark, aber nicht vollständig.
Das Spiel selbst hielt, was es versprach. Die USA begannen effizient. Matt Boldy traf früh zur Führung. Kanada wirkte defensiv unsauber, Binnington nicht ganz stabil. Doch danach übernahm Kanada zunehmend die Kontrolle. 19:8 Schüsse im zweiten Drittel. Druck, Traffic vor dem Tor, Solo-Läufe, Chaos-Szenen im Slot. Devon Toews mit leerem Tor – Hellebuyck mit dem Stock dazwischen. Celebrini allein vor dem Tor – gestoppt. MacKinnon mit bester Möglichkeit – vergeben. Kanada spielte phasenweise auf höchstem technischen Niveau, schnell, kreativ, dominant. Doch der Puck wollte nicht ins Netz.

Der psychologische Bruch kam im 5-gegen-3. 1:33 doppelte Überzahl für Kanada. Kein Tor. Die USA überlebten mit einem strukturell perfekten Penalty Killing, kompakt im Slot, diszipliniert im Diamond, angeführt von einem Torhüter, der nicht nur hielt, sondern das Spiel beruhigte. Connor Hellebuyck war in diesen Minuten nicht nur ein Goalie, sondern eine Mauer.
Dann der Ausgleich. Cale Makar nach zwei verlorenen Zweikämpfen der USA, Schuss unter die Latte, 1:1. Verdient. Das Spiel wurde härter, physischer, emotionaler. Icings, Checks, Powerplays auf beiden Seiten. Vier Minuten gegen Kanada – sie überstehen es. Später wieder Überzahl für Kanada – erneut kein Treffer. Beide Teams hielten stand. Keines kollabierte.
In der Verlängerung zählte keine Dominanz mehr. Keine Statistik. Nur der eine Moment. McDavid im Konter – scheitert. Und dann die USA. Sauberer Aufbau, präzises Zuspiel, Kanada im 3-gegen-3 nicht kompakt genug. Jack Hughes schließt ab. Gold.

War Hughes der Held? Er erzielte das Tor. War es McDavid, der Kanada über weite Strecken trug? Der eigentliche Held dieses Finales war Connor Hellebuyck. Ohne ihn endet das Spiel im zweiten Drittel. Ohne ihn keine Verlängerung. Ohne ihn kein historischer Moment. Finals werden oft nicht von den lautesten Namen entschieden, sondern von denen, die standhalten, wenn alles kippt.

So gewannen die USA 46 Jahre nach dem Miracle on Ice erneut olympisches Gold. Nicht durch Spektakel allein. Nicht durch klare Dominanz. Sondern durch Struktur, Geduld und einen Torhüter, der sich weigerte zu verlieren. Dieses Finale wird bleiben – wegen der Intensität, wegen der Overtime, wegen der Emotion. Und auch wegen der Lücke, die sichtbar machte, dass Sport nie völlig losgelöst von Geschichte existiert.
Das kanadische Team machte sich dann bei einigen Hockeyfans erneut ein wenig unbeliebt, machte man sich schon mit dem Auszug aus dem Olympischen Dorf zu Beginn dieser Spiele keine Freunde so verließ das Team um Kapitäan Sidney Crosby auch noch das Eis ohne das obligatorische Teamfoto des Silbermedaillengewinner zu machen. Damit steht fest, am Ende strahlt der Sieg der USA noch etwas mehr.
Stimmen zum Spiel:
Jack Hughes (USA): „Das Tor ist mitr egal. Wir waren einfach ein unglaubliches Team, ein unglaublicher Sieg. Wir sind so stolz, Amerikaner zu sein und gewonnen zu haben. Wir sind so stolz, für unser Land zu gewinnen, und natürlich auch für die USA-Hockey-Familie. Die Kanadier waren uns heute Abend vielleicht etwas überlegen. Unser Goalie hat aber überragend gehalten, und in der Verlängerung haben wir beide starke Spieler, da kann alles passieren. Die schönsten Erlebnisse meines Lebens sind, für mein Land zu spielen, mit dieser Mannschaft endlich wieder Gold zu holen und hier bei den Olympischen Spielen Gold zu gewinnen – ein unglaublicher Moment.“
Brady Tkachuk (USA): „Das ist einer der schönsten Momente meines Lebens. Wie Jack schon sagte, haben sie uns eine Zeit lang ganz schön zugesetzt. Ohne Heli (Connor Hellebuyck) hätten wir das Spiel wohl nicht gewonnen. Er hat überragend gespielt, und dann hat er als Superstar den Sack zugemacht. Ich wusste, dass wir daran geglaubt haben, aber dass es jetzt Realität ist, ist einfach unglaublich. Ich weiß nicht, ob es das wichtigste Spiel überhaupt war, außer vielleicht Spiel 7 im Stanley-Cup-Finale, aber ich weiß, ich spreche da wohl für viele: Das waren mit Abstand die schönsten zwei Wochen meines Lebens.“
Mitch Marner (CAN): „Wir haben alles gegeben. Wir hatten einige gute Möglichkeiten, die einfach nicht geklappt haben. So ist Eishockey manchmal. Es ist schade, aber ja, es ist ein bitteres Gefühl. Connor Hellebuyck im US Tor war großartig. Er hat einige wichtige Saves gezeigt. Er hat gut gehalten. Wir hatten ein paar Chancen, die aber durch einen Defensivblock, einen Stockcheck oder einfach durch ein Fehlschuss vereitelt wurden. So ist Eishockey. Manchmal hat man einfach Pech mit den Chancen, und so läuft es eben manchmal.“
Tom Wilson (CAN):„Eishockey ist ein komischer Sport. Manchmal spielt man gut genug, um zu gewinnen, und trotzdem klappt es nicht. Respekt an sie, sie haben am Ende ihre Chance genutzt und uns geschlagen. Es schmerzt, dass wir ein gutes Spiel gemacht, unseren Spielplan umgesetzt und wirklich gut gespielt haben, aber Eishockey ist eben ein komischer Sport. Ich fand, wir haben ein tolles Tempo gespielt. Wir haben das Spielgeschehen auf dem ganzen Eis diktiert. Wir waren schnell und körperbetont. Es war eines dieser Spiele, bei denen man richtig Spaß haben kann, bis zum Schluss natürlich.Ich wünschte, wir säßen hier und die Rollen wären vertauscht. Aber ich bin stolz, Kanadier zu sein, stolz, mein Land bei den Olympischen Spielen zu vertreten, stolz, dass die Besten der Besten wieder bei Olympia gegeneinander antreten.“ Glückwunsch an die US Amerikaner.“
Photo Gallery Olympic Games 2026 Mens Gold Medal Game CAN – USA 1:2 OT