
Die USA gleicht im Frauen Finale in Mailand gegen Team Canada spät aus und sichert sich dann in der Overtime den Olympia Sieg.
Es gibt Spiele, die sind gross. Und es gibt Spiele, die sind olympische Finals. Dieses hier gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Kein vorsichtiges Abtasten, kein nervöses Herantasten an die Bedeutung des Moments – beide Teams gingen vom ersten Wechsel an ins hohe Forechecking, mit Tempo, mit Intensität, mit klarer Botschaft. Stretch-Pässe aus der Tiefe, früher F1-Druck, schnelle Tests der Torhüterinnen. Nach wenigen Minuten war klar: Das wird kein Geduldsspiel, sondern ein Duell auf höchstem taktischem Niveau.

Kanada schlug zuerst zu – und wie es sich für ein Finale gehört, nicht aus Dominanz, sondern aus einem Moment. Die Scheibe sprang vom Plexiglas zurück ins Spiel, Kristin O’Neill reagierte am schnellsten, umkurvte die Torhüterin und traf shorthanded zum 0:1. Finals sind gnadenlos. Sie brauchen keine lange Einladung.
Die USA antworteten mit Druck. Mehr Zone-Time, saubere Stockkontrolle im eigenen Drittel, gutes Gap-Management. Kanada verteidigte diszipliniert, hielt den Slot eng, blockte kompromisslos. Auffällig war das unterschiedliche Offensivmuster: Die Amerikanerinnen suchten oft noch den zusätzlichen Pass, spielten aussen herum, wollten den perfekten Abschluss. Kanada hingegen entschied sich bei Slot-Präsenz meist für den direkten Schuss. Zwei Philosophien, beide tragfähig.

Ann-Renée Desbiens hielt Kanada mehrfach im Spiel, ruhig und unaufgeregt. Die USA schnürten Kanada phasenweise ein, zwangen sie zu Icings, doch der letzte Schritt fehlte – bis zur 57. Minute. Torhüterin raus, Schuss von der blauen Linie, Hilary Knight steht dort, wo man stehen muss, lenkt den Puck unter dem Five Hole ab. 1:1. Manchmal ist Hockey erstaunlich einfach: Verkehr vor dem Tor, Scheibe aufs Tor, Stock dazwischen.

In der Overtime wurde es zunächst kontrolliert. Kein überhastetes Pinchen, kein unnötiges Risiko. Ein Finale in Sudden Death ist ein Schachspiel auf Schlittschuhen. Dann reichte ein einziger Fehler. Taylor Heise spielte den Stretch-Pass, Megan Keller setzte sich durch, umlief Claire Thompson und blieb eiskalt. 2:1. Aus. Gold.
Kanada leistete harten Widerstand, verteidigte strukturiert und effizient. Doch über das gesamte Spiel betrachtet erzeugten die USA mehr nachhaltige Druckphasen, mehr offensive Präsenz und letztlich den entscheidenden Moment. Und sie taten das, ohne im gesamten Turnier auch nur einmal bezwungen zu werden. Unbesiegt durch ein olympisches Finale zu gehen, ist keine Randnotiz – es ist ein Statement.

Als der US-Coach nach dem Schlusspfiff Tränen in den Augen hatte, war das keine Inszenierung. Es war Erleichterung. Olympisches Gold ist kein Pokal für die Vitrine. Es ist der Lohn für Konstanz, Nervenstärke – und manchmal für einen perfekt gespielten Stretch-Pass im richtigen Moment.
Stimmen zum Spiel:
Marie-Philip Poulin (CAN): Ich bin trotzdem sehr stolz auf das Team. Wir sind rausgegangen, wollten spielen, wollten es ihnen schwer machen, und das haben wir geschafft. Ehrlich gesagt wussten wir, dass es ein harter Kampf werden würde, ein Spiel mit vielen Höhen und Tiefen, und so war es auch. Die Overtime war Spannend! Wir haben so hart für diese Momente gekämpft und bin ehrlich gesagt sehr glücklich darüber, wie unser Team heute gegen sie gespielt hat.“
Abbey Murphy (USA) : „Absolut haben wir ans uns geglaubt. Dieses Team hatte nur ein Ziel vor Augen: Gold, ganz klar. Ein verrücktes Ende. Wir brauchten etwas, um das Tor zu erzielen, aber mit Hilary Knight hatten wir eine Kapitänin, die in den entscheidenden Momenten früher oder später den Puck im Netz versenkt. Sie ist eine Führungsfigur auf und neben dem Eis. Und dass Megan Keller in der Verlängerung getroffen hat – ich meine, einfach jeder hat seine Rolle perfekt gespielt. Wahnsinn!“
Was für ein Spiel! Ich glaube, wir haben die gesamten 60 Minuten und auch in der Verlängerung daran geglaubt, dass wir die Champions sind.“
Hilary Knight (USA):„Ich liebe diese Mannschaft. Es ist etwas ganz Besonderes, auf diesem Niveau spielen zu dürfen. Ich bin unendlich dankbar. Es ist ein magischer Moment, und ich versuche, ihn in vollen Zügen zu genießen.
Ich wusste, dass wir den Puck bekommen würden, also musste ich mir nur eine Position vor dem Tor suchen. Wir hätten dieses Spiel niemals verloren. Ganz einfach. Wir hatten einige richtig starke Spielerinnen auf dem Eis.
Ich denke jetzt an all die Menschen, die mir geholfen haben, hierher zu kommen und uns auf diesem Niveau fit zu halten, es ist wirklich etwas Besonderes. Ich kann es kaum erwarten, das mit einigen Leuten zu teilen. Ich bin unglaublich stolz. Team Kanada ist ein phänomenales Team, mit richtig starken Spielerinnen.“
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