Effizient, aber noch nicht viertelfinalreif

Elvis Merzlikins #30, Kristaps Zile #77, Adrian Kempe #19, Olympic Games 2026 Mens QG SWE – LAT, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser
Schweden gewinnt das Qualifikations-Playoff gegen Lettland mit 5:1 und steht damit im Viertelfinale gegen die USA.

Das Resultat ist klar, der Eindruck jedoch weniger. Über weite Strecken wirkte Tre Kronor kontrolliert, effizient – aber nicht zwingend dominant.
Das Spiel begann schnell und intensiv. Lettland hatte optisch zunächst mehr vom Spiel, trat aggressiver auf und suchte früh den Weg in die schwedische Zone. Schweden agierte zurückhaltend, beinahe abwartend. Vor der Partie war zudem von Unstimmigkeiten rund um das Team die Rede. Gemäss ORF-Kommentierung sollen Teile der Medien mit Headcoach Sam Hallam unzufrieden sein, das Team wirke phasenweise eigenständig, die Kommunikation auf der Bank sei auffallend gering. Diese Beobachtung sollte sich im Spielverlauf zumindest optisch bestätigen.

Zemgus Girgensons #28, Gustav Forsling #42, Olympic Games 2026 Mens QG SWE – LAT, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Und dennoch waren es die Schweden, die effizient zuschlugen. In der 10. Minute brachte Adrian Kempe sein Team mit 1:0 in Führung. Nur eine Minute später erhöhte Gabriel Landeskog auf 2:0. Für Landeskog war es eine eindrückliche Rückmeldung nach langer Abwesenheit aufgrund einer Krebserkrankung und eines Knorpelschadens mit Operation. Emotional war dieses Tor einer der zentralen Momente des Spiels.Lettland konnte die optische Präsenz nicht in Tore ummünzen. Nach einer Strafe gegen Alberts Smits (19., Behinderung) ging es mit einem Schussverhältnis von 10:6 zugunsten Schwedens in die erste Pause – ein erstes Indiz dafür, dass Effizienz und nicht Spielanteile entscheidend waren.

Alberts Smits #3, Elvis Merzlikins #30, Gabriel Landeskog #92, Rasmus Dahlin #26, Olympic Games 2026 Mens QG SWE – LAT, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Im zweiten Drittel traten die Schweden strukturierter auf und erhöhten den Druck. In der 29. Minute traf Filip Forsberg zum 3:0. Zuvor hatte sich Schweden mehrfach an der kompakten lettischen Defensive festgebissen, doch mit zunehmender Spieldauer übernahm Tre Kronor die territoriale Kontrolle. Nur zwei Minuten später kam Lettland jedoch zurück: Eduards Tralmaks verwertete einen Rebound zum 3:1. Diese Szene war defensiv schwach verteidigt, die Slot-Absicherung fehlte – ein Detail, das gegen stärkere Gegner bestraft werden kann. Nach einer Cross-Checking-Strafe gegen Victor Hedman (36.) blieb Lettland jedoch ohne nachhaltige Konsequenz. Das zweite Drittel endete mit 9:8 Schüssen knapp zugunsten Schwedens.

Oliver Ekman-Larsson #3, Zemgus Girgensons #28, Jacob Markstrom #25, Olympic Games 2026 Mens QG SWE – LAT, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Im Schlussabschnitt schaltete Schweden in den Verwaltungsmodus. Lettland wurde nach dem zwischenzeitlichen 3:1 wieder etwas aktiver, doch strukturell blieb das Spiel unter schwedischer Kontrolle. Auffällig war weiterhin die geringe sichtbare Kommunikation zwischen Trainerstab und Bank. Schweden spielte kühl, abgeklärt – aber ohne erkennbare emotionale Wucht.

In der 44. Minute entschied Mika Zibanejad mit dem 4:1 das Spiel endgültig. Nach schnellem Konter spielte Lucas Raymond einen Querpass durch die Mitte, Zibanejad musste nur noch ins offene Tor einschieben. In der 53. Minute setzte William Nylander mit einem sehenswerten Backhand-Treffer zum 5:1 den Schlusspunkt. Nylander tanzte den Torhüter im Slot aus – ein individueller Qualitätsmoment.

Der Shot Chart des dritten Drittels zeigt ein nahezu ausgeglichenes Schussverhältnis, jedoch mit klarer Slot-Präsenz der Schweden. Während Lettland viele Abschlüsse aus halbdistanten Winkeln suchte, kamen die Schweden wiederholt direkt zwischen den Bullypunkten zum Abschluss. Zwei High-Danger-Treffer bei gleichzeitig kontrollierter Slot-Verteidigung unterstreichen die strukturelle Stabilität im letzten Abschnitt.
Trotz des deutlichen Resultats bleibt ein differenziertes Bild. Schweden war effizient, defensiv im Schlussdrittel organisiert und individuell überlegen. Was jedoch fehlte, war die konstante Intensität über 60 Minuten. Es wirkte phasenweise wie ein Spiel im Kontrollmodus – ausreichend gegen Lettland, aber möglicherweise zu wenig gegen die USA.

Im Viertelfinale wartet nun ein Gegner, der mit höherem Tempo, aggressivem Forecheck und mehr physischer Präsenz agieren wird. Die USA werden Rebounds erzwingen, den Slot unter Druck setzen und über 60 Minuten Geschwindigkeit gehen. Hier muss Schweden defensiv konsequenter absichern und offensiv mehr Druck über längere Phasen erzeugen. Reine Effizienz allein dürfte nicht genügen.
Schweden steht verdient im Viertelfinale. Ob diese Leistung jedoch gegen die USA ausreicht, wird sich zeigen. Eine Schippe Intensität mehr wird nötig sein.

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