
Die Schweiz ist mit einem klaren 4:0-Sieg gegen Frankreich in das Olympiaturnier 2026 gestartet.
Was auf dem Resultatblatt deutlich aussieht, war über 60 Minuten jedoch kein Selbstläufer – sondern ein Spiel mit zwei Gesichtern und einem konsequenten Schlusspunkt.
Frankreich trat ohne Yohann Auvitu von den Black Wings im Startaufgebot an. Bereits nach 36 Sekunden musste Pierre-Edouard Bellemare wegen Beinstellens auf die Strafbank. Die Schweiz nutzte das Powerplay eiskalt: Nach nur 55 Sekunden traf Damien Riat nach mehreren schnellen Abschlüssen zur frühen Führung. Der Treffer setzte den Ton. Die Schweiz bestimmte in der Anfangsphase klar Tempo, Rhythmus und Spielkontrolle. Kompakt im Aufbau, schnell durch die neutrale Zone, zielstrebig im Abschluss. Janis Moser erhöhte kurz darauf mit einem verdeckten Abschluss auf 2:0 – Antoine Keller im französischen Tor war chancenlos. Das erste Drittel ging mit 16:11 Schüssen klar an die Schweiz.

Doch im zweiten Abschnitt verlor das Spiel an Klarheit. Die Schweiz agierte verhaltener, fast verwaltend. Frankreich kam besser in die Partie, gewann mehr Zweikämpfe und setzte sich phasenweise in der Schweizer Zone fest. Ein unnötiger Crosscheck von Denis Malgin – einen Meter von der Bande entfernt – brachte zusätzliche Unruhe. Stéphane da Costa vom KHL Kub Avtomobilist Jekaterinburg fiel vor allem durch seine Strafzeit auf, spielerisch blieb er weitgehend unauffällig. Keller hielt Frankreich mit starken Paraden im Spiel, verkürzte konsequent die Winkel und kontrollierte die Abpraller sauber zur Seite. Mehrere Topchancen durch Hischier, Moser, Fiala, Josi und Niederreiter blieben ungenutzt. Trotz 14:8 Schüssen im zweiten Drittel wirkte die Schweiz in dieser Phase zu abhängig von ihren Führungsspielern – fast erinnerte es an das alte „Mark-Streit-Phänomen“, bei dem vieles über einzelne Schultern lief.

Im Schlussdrittel reagierte das Team. Der Start war zwar erneut unruhig, mit Missverständnissen in der Defensive, doch Genoni blieb aufmerksam. Nach einer vergebenen Großchance von Timo Meier – stark vorbereitet von Suter hinter dem Tor – folgte die entscheidende Phase. In der 50. Minute skatet Roman Josi hinter dem Tor durch, zieht Gegenspieler auf sich und legt präzise in den Slot auf Meier – 3:0. Kurz darauf trifft Niederreiter nur die Stange, ehe Meier in der 57. Minute zum 4:0 einschiesst. Eigentlich als Querpass gedacht, rutschte der Puck via Hosenträger ins Tor. Die zwischenzeitliche Umstellung mit Hischier, Fiala und Meier in einer Linie brachte deutlich mehr Drive und Direktspiel.

Am Ende steht ein verdienter Sieg. Genoni sicherte sich mit 11 Paraden im dritten Drittel den ersten Shutout des Turniers. Frankreich kämpfte, Keller überzeugte lange, doch offensiv fehlte die Durchschlagskraft.
Die Schweiz zeigte zwei Gesichter: dominant im ersten Drittel, fahrig im zweiten, konsequent im dritten. Gegen Kanada am Abend wird ein längeres Verwalten jedoch nicht reichen.
Stimmen zum Spiel:
„Janis Moser (SUI): „Es hilft ungemein, wenn man in den ersten fünf Minuten zwei Tore erzielt und dadurch mehr Sicherheit für den Rest des Spiels hat. Nun wartet Kanada, sie haben eine unglaubliche Mannschaft, und es wird eine große Herausforderung. Wir werden versuchen, es ihnen so schwer wie möglich zu machen.“
Pius Suter (SUI): „Es war fantastisch. Wir sind so nah an der Schweiz, und die Fans reisen immer mit, egal ob zur WM oder sonst wohin. Es ist großartig von ihnen, uns zu unterstützen, und wir freuen uns schon auf die nächsten Spiele, besonders auf das am Wochenende. Vielleicht können wir ja noch einige weitere Spiele bestreiten.“
Antoine Keller (FRA): „Ich denke, wir haben 40 Minuten lang gut gespielt. Die ersten und die letzten zehn Minuten lief es nicht so gut, und das hat uns das Spiel gekostet. Die Schweiz hat viel Druck erzeugt, zwei Tore erzielt und immer weiter Druck gemacht, aber wir konnten hingegen den Puck nicht im Tor unterbringen. Man sieht den Unterschied. Sie laufen schneller und sind cleverer auf dem Eis. Es ist schön, diese Spieler zu sehen.“