
Der Realitätscheck der Österreicher war brutal. Die Schweizer gewinnen mit 9:0. Dabei muss den Österreichern indes bewusst sein, dass der Gegner heute Nachmittag drei Nummern zu groß war.
Nach drei Siegen in Folge wartete auf Österreich gegen die Schweiz die bislang härteste Prüfung dieser Weltmeisterschaft. Und sie wurde brutaler, als es sich aus österreichischer Sicht wohl irgendjemand erhofft hatte. Die Schweiz gewann klar mit 9:0, bestrafte nahezu jeden Fehler eiskalt und zeigte Österreich schon früh, wie dünn die Luft gegen eine Topnation werden kann. Auf der Gegenseite schrieb Leonardo Genoni Geschichte: Mit seinem 13. Shutout ist er laut offizieller IIHF-Statistik neuer Weltrekordhalter.
Beide Teams gingen mit Umstellungen in die Partie. Bei der Schweiz fehlte Suter, Biasca rückte in die erste Linie, Rochette begann in der dritten Formation. Auch Österreich veränderte sein Line-up: Zwerger und Rohrer pausierten, im Tor erhielt Kickert seinen zweiten Einsatz des Turniers. Doch schon die ersten Minuten zeigten, dass Österreich von Beginn an unter enormem Druck stehen würde.

In der fünften Minute hatte Österreich zunächst noch Glück. Die Schweiz kam zweimal mit viel Nachdruck und guten Abschlüssen auf das Tor, brachte die Scheibe aber noch nicht an Kickert vorbei. Nur wenig später war es dann so weit. Nach einem Schweizer Scheibengewinn in der eigenen Zone ging es blitzschnell nach vorne. Malgin sprintete über das ganze Feld, legte auf Rochette quer, und dieser hämmerte den Puck unter die rechte Latte. Nach sechs Minuten führte die Schweiz 1:0.
Österreich bekam danach in Überzahl die Chance, ins Spiel zu finden. Kukan musste in der achten Minute wegen Behinderung auf die Strafbank. Die Schweizer Unterzahlformation stand jedoch kompakt, während Österreich zwar ein ordentliches Powerplay zeigte, aber nicht zum Anschlusstreffer kam. Stattdessen schlug die Schweiz kurz darauf erneut zu. Timo Meier traf in der zehnten Minute via Innenpfosten zum 2:0. Ein Abschluss, der für Kickert kaum zu verteidigen war.
Noch härter wurde es in der zwölften Minute. Wieder bereitete die Schweiz die Szene aus der Zone hinter dem österreichischen Tor vor. Meier spielte von dort auf Hischier, der eiskalt zum 3:0 verwertete. Genau diese Zone wurde im ersten Drittel zum wiederkehrenden Problem für Österreich. Die Schweiz kam zu oft beinahe kampflos hinter das Tor, konnte von dort aus das Spiel öffnen und fand immer wieder freie Schläger im gefährlichen Bereich. Gegen eine Mannschaft mit dieser Qualität ist das tödlich.

In der 14. Minute folgte der nächste Schlag. Hackl sass wegen Behinderung auf der Strafbank, und die Schweiz brauchte im Powerplay nur 39 Sekunden. Riat traf zum 4:0. Was bis dahin schon ein schwieriger Start gewesen war, wurde endgültig zu einem Albtraumdrittel. Österreich drückte zwar 90 Sekunden vor der ersten Pause noch einmal mächtig, doch die Schweiz hielt nicht nur dagegen, sondern pushte ihrerseits sofort wieder zurück. Von einem echten Momentumwechsel war nichts zu sehen.

Auch im zweiten Drittel änderte sich das Bild kaum. Österreich versuchte, sich zu stabilisieren, doch die Schweiz blieb gnadenlos. In der 28. Minute musste Stapelfeld wegen Beinstellens auf die Strafbank. Wieder nutzte die Schweiz die Überzahl. Hischier traf in der 29. Minute zum 5:0. Nur 21 Sekunden später erhöhte Thürkauf auf 6:0. Spätestens jetzt war der Abend für Österreich endgültig aus den Fugen geraten.
Nach dem sechsten Gegentreffer reagierte Österreich mit einem Torhüterwechsel. Kickert machte Platz, Vorauer übernahm. Doch auch dieser Wechsel brachte zunächst keine Ruhe. In der 33. Minute traf Rochette zum zweiten Mal an diesem Abend und stellte auf 7:0. Die Schweiz kannte in dieser Phase keinen Mercy-Modus. Jeder Fehler, jede Strafe, jede Unordnung wurde sofort bestraft.

Im Schlussdrittel ging es für Österreich nur noch um Schadensbegrenzung. Doch auch das gelang nur bedingt. Schneider musste in der 48. Minute wegen eines Ellbogenchecks auf die Strafbank. In der 51. Minute traf Riat erneut im Powerplay zum 8:0. Drei Minuten später musste Schneider wegen hohen Stocks nochmals hinaus. Der neunte Schweizer Treffer fiel dann bei gleicher Spielerzahl: Bertschy stellte in der 57. Minute auf 9:0.
Aus österreichischer Sicht war dieser Abend hart, aber auch ein deutlicher Realitätscheck. Die ersten Spiele hatten gezeigt, dass Österreich mit Energie, Mut und Struktur auch auf WM-Niveau bestehen kann. Gegen die Schweiz reichte das aber nicht. Dafür waren die Schweizer zu präzise, zu schnell und vor allem zu konsequent. Besonders bitter war, wie viele Treffer aus Situationen entstanden, in denen Österreich den Raum hinter dem eigenen Tor nicht entschlossen genug kontrollierte. Von dort fand die Schweiz immer wieder Wege in den Slot – und verwertete diese Chancen mit brutaler Effizienz.
Für die Schweiz wurde der Abend dagegen historisch. Leonardo Genoni blieb ohne Gegentreffer und holte seinen 13. Shutout. Damit ist er laut offizieller IIHF-Statistik neuer Weltrekordhalter. Es passte zu diesem Spiel: Vorne nutzte die Schweiz fast alles, hinten liess sie kaum etwas zu. Österreich musste schmerzhaft erfahren, wie gross der Unterschied werden kann, wenn eine Topnation einmal richtig ins Rollen kommt.
Für Österreich bedeutet dieses 0:9 keine komplette Entwertung der bisherigen Leistungen. Die drei Siege zuvor bleiben stark. Aber dieses Spiel zeigte mit aller Härte, wo die Grenzen aktuell noch liegen. Gegen eine Schweiz in dieser Verfassung braucht es nahezu perfekte Arbeit in den Details, keine unnötigen Strafen und vor allem deutlich mehr Zugriff in der eigenen Defensivzone. Sonst wird aus einer schweren Aufgabe sehr schnell eine harte Realität.

Stimmen zum Spiel:
Leonardo Genoni (SUI Goalie):Es ist cool alleiniger Rekordhalter (Shutouts) zu sein, ich habe es nicht gewusst erst wie alle zu mir gekommen sind. Sehr wichtig auch für die Mannschaft. Wir hatten einen guten Start sind dann aber im Powerplay kurz unter Druck gekommen dann fiel das zweite und dritte Tor. Es läuft einfach und wir fragen auch nicht warum, wer nehmen es einfach.
Bernd Wolf: Die Schweiz war klar besser aber ich denke das Resultat war ein wenig zu hoch, es war lange von den Schüssen sehr ausgeglichen gewesen, da hatten sie aber bereits fünf Tore erzielt. Die ersten Tore waren einfach zu einfach da wir die Mitte offen gelassen haben. Sie haben uns die Finger abgerissen aber das Herz haben sie uns nicht heraus gerissen. Die Ausfälle von heute spielen keine Rolle und wir haben gesagt das was wir haben und wir geben alles. Die Schweiz hat heute alles reingebracht und das letzte Tor der Schweiz war eine Klasse für sich.
Head Coach Roger Bader: Wir mussten das heute ein wenig erwarten mit diesen Vorzeichen und zweiten ist die Schweizer Mannschaft extrem gut besetzt. Sie haben eine irrsinnige Qualität und das Heimpublikum und wir waren mühte im vierten Spiel innerhalb von fünf Tagen, dies sind meine Spieler nicht gewöhnt. Wir haben gehofft das es nicht so schlimm wird aber man musste es auch ein wenig erwarten. Wir haben auch Spieler geschont da wir noch einen Sieg anstreben.
Peter Schneider: Gegen solche Mannschaften wird der kleinste Fehler sofort bestraft und wir haben rasch gemerkt das uns eisläuferisch und bei den Skills uns einiges auf dieses Top Level fehlt. Wir haben nicht aufgegeben zu kämpfen und das spricht für die Mannschaft. Ich fühle mich ein wenig schlecht für unsere beiden Goalies. Für sie war es nicht einfach wenn man den Gegner solche Chancen gibt, wir müssen das nächste mal die Goalies mehr unterstützen.