
Die Kanadier gewinnen in einem hart umkämpften Spiel gegen Finnland mit 3-2. Glück, glücklicher, Kanada? Ob dies im Finale aufgeht?Kanada steht im Olympiafinale – aber dieser Halbfinal war alles andere als ein Spaziergang. Wie schon Finnland im Viertelfinal gegen die Schweiz (3:2 n.V., begünstigt durch individuelle Fehler der Schweizer), benötigten auch die Kanadier mehr als nur spielerische Überlegenheit. Beide Teams kamen mit Rückenwind – und mit Fragezeichen.
Kanada musste ohne Sidney Crosby auskommen. Eine gewichtige Absenz. Im Tor standen mit Jordan Binnington und Juuse Saros zwei absolute Top-Schlussmänner. Es war früh spürbar: Dieses Spiel könnte über die Torhüter entschieden werden.Die Partie begann intensiv, schnell, mit unmittelbaren Abschlüssen auf beiden Seiten. Finnland stand kompakt in der eigenen Zone, eng um den Slot, diszipliniert im Box-Out. Kanada fand vereinzelt Wege durch die Struktur, kam aber selten mit freier Bahn zum Abschluss. Anders die Finnen: Mit Zug zum Tor, konsequentem Net-Drive und sauberem Timing vor dem Gehäuse erarbeiteten sie sich hochwertige Chancen.

Eine Strafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis gegen Kanada brachte erstmals Unruhe ins Spiel. Kurz darauf folgte Torhüterbehinderung gegen Sam Bennett – und Finnland nutzte das Powerplay eiskalt. Drei Sekunden dauerte es: Sebastian Aho gewann das Bully, und Mikko Rantanen zog direkt vom Kreis ab und traf zur Führung. Präzision. Timing. Effizienz.
Das Spiel blieb ausgeglichen, auch statistisch. Doch im zweiten Drittel verschoben sich die Kräfteverhältnisse. Sebastian Aho musste wegen Behinderung in die Kühlbox – und ausgerechnet in Unterzahl schlug Finnland erneut zu. Erik Haula setzte sich gegen zwei Kanadier durch, blieb ruhig, verzögerte, legte auf die Backhand und hämmerte die Scheibe unter die Latte. Ein Shorthander der Extraklasse. Binnington war machtlos. 2:0.

Kanada wirkte phasenweise blockiert. Die Bank suchte Lösungen, während Finnland als Einheit geschlossen und strukturiert auftrat. Erst als die Finnen Sam Reinhart zu viel Raum gewährten, fand Kanada zurück ins Spiel. Reinhart erkannte die Lücke, nutzte die Verzögerung in der Defensive und verkürzte. Danach dominierte Kanada das Schussverhältnis deutlich – doch lange fehlte die letzte Konsequenz.
Im Schlussabschnitt bauten die Finnen ein Bollwerk an der eigenen blauen Linie auf. Kanada kam kaum sauber in die Zone. Dennoch wuchs der Druck. Shea Theodore traf aus der Distanz zum 2:2 – ein satter Schuss, direkt und kompromisslos. Das Momentum kippte.
MacKinnon hatte wenig später die große Chance zur Führung, scheiterte jedoch alleine vor Saros. Finnland blieb gefährlich im Konter, doch Binnington hielt seine Mannschaft im Spiel. Als Niko Mikkola wegen hohen Stocks auf die Strafbank musste, nahm das Drama seinen Lauf.

35 Sekunden vor Ende des dritten Drittels traf Nathan MacKinnon zum 3:2. McDavid hatte die Übersicht, MacKinnon erkannte die Lücke und verwertete eiskalt. Finnland forderte die Coach’s Challenge – ein mögliches Offside im Vorfeld. Millimeterentscheidung. Auf den Bildern kaum auflösbar. Die Entscheidung blieb bestehen.
In der Schlussminute folgte noch eine Strafe gegen Finnland wegen Spielverzögerung, Saros ging vom Eis – doch es blieb beim Resultat.
Kanada gewann. Mit Qualität, mit Druck – aber auch mit einer Portion Glück. Finnland spielte strukturiert, effizient und mutig. Doch im entscheidenden Moment war es die individuelle Klasse – und vielleicht das berühmte Quäntchen Fortune – das den Unterschied machte. Ein Halbfinal, der zeigte: Auf diesem Niveau entscheiden Details. Und manchmal Millimeter.

Stimmen zum Spiel:
Connor McDavid (CAN): „Es ist unglaublich. Was für ein verrücktes Spiel! Zwei verrückte Spiele, um so weit zu kommen. Ich bin unglaublich dankbar, im Finale zu stehen. Wir hatten sie eine Weile im Griff, und genau dann werden sie müde, und genau dann kann man ihre Schwächen ausnutzen. Ich habe versucht, den Puck rüberzubringen, aber ein Spieler hat ihn mit dem Schläger abgewehrt, und ich bekam eine weitere Chance. Er (MacKINNON) stand frei, und ich habe ihm den Puck zugespielt.“
Das Gefühl im Spiel war nicht unähnlich dem 2:3-Rückstand (gegen Tschechien im Viertelfinale) sieben Minuten vor Schluss. Wir mussten einen Weg finden, das Ruder herumzureißen, und das haben wir geschafft – Respekt. Aber wir dürfen uns nicht noch einmal in so eine Lage bringen.
Wir sind ein starkes Team mit Führungsspielern in allen Reihen. Es ist egal, wer das Kapitänsamt trägt, jeder kann spielen, eine wichtige Rolle übernehmen und führen.“
Drew Doughty (CAN): „Wir haben nicht viel geändert. Wir mussten einfach mehr Druck machen, und das haben wir auch getan. Wir haben nie den Glauben verloren.“ Vor dem Spiel haben wir darüber gesprochen. Wir wollen, dass Sid eine weitere Chance bekommt zu spielen und hoffentlich eine weitere Goldmedaille gewinnt.“
Team CAN Head Coach Jon Cooper:„Es war hart umkämpft. Wir haben ihnen ein Tor nach dem Bully und dann noch ein Unterzahltor geschenkt. Wir haben ihnen zwei Freistöße ermöglicht, und gegen Finnland darf man sich solche Chancen nicht erlauben, weil es so schwer ist, gegen sie Tore zu erzielen. Wir haben ein wichtiges erstes Tor erzielt, sodass wir kurz durchatmen konnten, wir lagen ja nur mit einem Tor zurück. Wir haben im Drittel nur zwei oder drei Schüsse zugelassen. NHL-Spieler konnten seit 2014 (Sotschi) nicht mehr an den Olympischen Spielen teilnehmen, das sind zwölf Jahre. Manche dieser Jungs waren damals noch Windeln. Das Eishockey war so großartig und so nah dran. Deshalb sind die Olympischen Spiele so einzigartig.“ So etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Darauf freut man sich alle vier Jahre.“
Mikael Granlund (FIN): „Wir haben gegen eine wirklich gute Mannschaft gespielt. Wir hatten einen super Start und sind in Führung gegangen. Wir haben das ganze Spiel über sehr gut verteidigt, aber sie haben natürlich ein paar Tore im Powerplay erzielt. Ich bin sehr stolz auf uns alle, aber gleichzeitig hatten wir eine Chance. Wirklich. Wir haben großartiges Hockey gegen eine wirklich gute Nun bereite wir uns auf das Bronze Spiel vor.“
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