Vom Wunder von Turin zur Selbstverständlichkeit von Mailand

Brandon Hagel #38, Kevin Fiala #21, Nathan MacKinnon #29, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser
Die Schweiz verliert gegen Team Canada mit 1:5 und wohl auch verletzungsbedingt Kevin Fiala.

Vor zwanzig Jahren war ein Sieg gegen Kanada ein Ereignis. Das 2:0 von Turin 2006 war ein taktisches Meisterstück, eine Sensation, ein Abend, an dem alles zusammenpasste. Die Schweiz verteidigte diszipliniert, spielte effizient und nutzte ihre wenigen Momente. Es war ein Sieg des perfekten Plans.
In Mailand war es anders. Und genau darin liegt die eigentliche Geschichte dieses Spiels.

Mitchell Marner #93, Akira Schmid#40, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Das 1:5 gegen Kanada liest sich deutlich. Der Spielverlauf war es nicht.
Von Beginn an hielt die Schweiz das Tempo mit. Niederreiters früher Vorstoss, der Pfostenschuss Kanadas, die sauberen Boxouts von Janis Moser – es war ein Spiel auf hohem, internationalem Niveau. Kanada war schneller in den Entscheidungen, brutaler effizient im Powerplay, präziser im Slot. Aber die Schweiz war nicht überfordert. Sie war präsent.Das 1:0 durch McDavid fiel im Powerplay, das 2:0 durch Harley aus einem Moment, in dem die Abstände in der Defensive minimal zu gross waren. Details. Keine Dominanzphase, kein Überrollen. Die Schweiz reagierte, traf im zweiten Powerplay über Andrighetto und Sutter und blieb strukturell im Spiel.

Cale Makar #8, Pius Suter #44, Logan Thompson #48, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Auch im zweiten Drittel war der Unterschied nicht grundlegend, sondern situativ. Das 3:1 durch Celebrini entstand aus einem verlorenen Slot-Battle. Wieder kein Klassenunterschied, sondern eine Nuance. Kurashev hatte auf der Gegenseite zwei Abschlüsse aus vielversprechender Position. Dort liegt die Differenz: Kanada nutzt seine Fenster konsequenter.

Jonas Siegenthaler #71, Macklin Celebrini #17, Akira Schmid#40, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Im dritten Drittel startete die Schweiz stärker. Mehr Druck in der Offensivzone, die Latte von Andrighetto, mehrere gute Sequenzen. Dann das 4:1 durch Crosby – erneut nach einem verlorenen Zweikampf vor dem eigenen Tor. Erst danach öffnete sich das Spiel. Das 5:1 war die Folge von Forecheck, Wechselmoment und Abpraller. Ein typischer Turnierbruch, kein strukturelles Scheitern.

Drew Doughty #89, Sven Andrighetto #85, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Was bleibt, ist nicht das Resultat. Es ist das Niveau.
Die Schweiz spielte variabel im Forecheck, wechselte zwischen 1-2-2 und 1-3-1, hielt physisch dagegen und blieb auch in ruppigen Phasen ruhig. Die Bank reagierte kontrolliert, Schmid im Tor stabil. Es war eines der besten Schweizer Spiele auf diesem Niveau bei Olympischen Spielen – nicht, weil es gewonnen wurde, sondern weil es selbstverständlich wirkte.

Und dann kam die Szene, die dieses Spiel in einen größeren Zusammenhang stellt.
Als Kevin Fiala nach einem unglücklichen Zusammenprall reglos liegen blieb und schliesslich mit der Bahre vom Eis gefahren werden musste, blieben die kanadischen Spieler geschlossen stehen. Kein Gang zur Bank, keine Routine. Sondern Respekt.

Christoph Bertschy #88, Nino Niederreiter #22, Macklin Celebrini #17, Akira Schmid#40, Olympic Games 2026 Mens Hockey CAN – SUI, Milano Santa Giulia Arena, © Puckfans.at / Andreas Robanser

Vor zwanzig Jahren war Respekt die Folge einer Sensation. Heute ist er die Folge von Gleichwertigkeit. Die Schweiz ist nicht mehr das Überraschungsteam, das auf einen perfekten Abend hoffen muss. Sie ist näher an der Weltspitze als je zuvor. Der Unterschied liegt nicht im Fundament, sondern im Feinschliff: Entscheidungs-Tempo im Slot, Effizienz in zwei, drei Momenten, kompromisslose Präsenz vor dem Tor. Turin war ein Ausrufezeichen.
Mailand ist eine Standortbestimmung. Der Weg vom Exploit zur Selbstverständlichkeit ist kein Sprung, sondern eine Entwicklung. Dieses Spiel war ein weiterer Schritt – auch wenn das Resultat etwas anderes suggeriert.

Stimmen zum Spiel:
Brandon Hagel (CAN): Wir waren heute ein gutes Team und unser Goalie war in Bestform. Wir kommen um Gold zu holern, das Turnier wird besser und besser es sind eine Menge sehr guter Teams hier. Für unser Team, wir wollen von Spiel zu Spiel besser werden. Das ist ein ganz wichtiger Baustein.
Michael Fora (SUI): Wir kamen eigentlich gut aus der Kabine waren aber zu wenig Diszipliniert in unserm Spiel besonders vor unserem Tor und so haben sie immer wieder die Möglichkeiten auf den Reebound gefunden. Sie hatten zu viele Torschüsse und diese Chancen haben sie einfach genutzt.
Gegen Tschechien erwarte ich mir nun ein erneutes schnelles und physisches Spiel. Wir müssen nur unser Spiel disziplinierter und schneller und geradliniger spielen.

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