
Das Frauen US Team gewinnt gegen Finnland mit 5:0. Das Resultat fällt deutlich aus, spiegelt den Spielverlauf jedoch nur teilweise wieder.
Finnland präsentierte sich über weite Strecken organisiert und mutig – auch unter dem Eindruck, nicht in voller körperlicher Verfassung ins Spiel gegangen zu sein.
Der Blick zurück nach Turin 2006 zeigt, wie klar die Kräfteverhältnisse damals waren: 7:3 für die USA in der Gruppenphase, 4:0 im Bronzespiel. Heute ist das Spiel ein anderes. Das Frauen-Eishockey hat sich sichtbar weiterentwickelt – flüssiger, schneller, intensiver. Puckverluste sind seltener, Abschlüsse präziser, die Spielgeschwindigkeit höher. USA und Kanada stehen weiterhin an der Spitze, doch dahinter ist das Feld enger geworden. Nationen wie die Schweiz, Schweden, Tschechien und Finnland haben aufgeholt, während Japan etwas an Boden verloren hat. Deutschland, Italien und Frankreich folgen mit Abstand.

Die USA waren im ersten Drittel klar aktiver, Finnland defensiv gut organisiert. Auch vor dem Hintergrund der überstandenen Norovirus-Quarantäne war erkennbar, dass die Finninnen auf Struktur und Kompaktheit setzten. Das Shot Chart des ersten Drittels zeigt zwar eine 15:4-Schussüberlegenheit für die USA, aber auch viele Abschlüsse aus der Peripherie, wenig Präsenz direkt im Slot.
In der 6. Minute musste Michelle Karvinen wegen Stockhaltens auf die Strafbank. Die USA setzten sich fest, kamen aber nicht zum Torerfolg – auch weil Finnlands Torhüterin in dieser Phase stark positioniert war. Erst die nächste Strafe brachte den Durchbruch: Susanna Tapani musste in der 16. Minute wegen Hakens raus, und Alex Carpenter nutzte das Powerplay nach nur sieben Sekunden zur 1:0-Führung.

Im zweiten Drittel änderte sich das Bild vor dem US Vize Präsident J.D.Vance und seiner Familie die erneut im Stadion waren deutlich. Die USA suchten nun konsequenter den Weg vor das Tor – ein klarer Unterschied zum ersten Abschnitt, der sich auch im Shot Chart widerspiegelt: mehr Abschlüsse aus zentralen Zonen, mehr Verkehr vor dem Tor.
In der 23. Minute erhöhte Taylor Heise nach einem schnellen Konter auf 2:0 – ein sauber ausgespielter Tik-Tak-Toe-Angriff. Zuvor hatten die Finninnen selbst eine gute Konterchance, scheiterten jedoch an der US-Torhüterin. Nur eine Minute später folgte das 3:0 durch Megan Keller, die im Eins-gegen-eins zu viel Raum erhielt und per „Hosenträger“ abschloss. Finnlands Defensive war in dieser Phase zu passiv.

Nach dem dritten Treffer fand Finnland wieder besser in die defensive Ordnung zurück, doch die USA blieben effizient. Ronja Savolainen sass in der 29. Minute wegen Haltens draussen, und Hilary Knight traf im folgenden Powerplay zum 4:0 – präzise unter die Latte. Für Knight war es bereits ihr 14. Olympia-Treffer, womit sie nun in der ewigen Torschützenliste der US-Frauen mit zwei weiteren Spielerinnen die Spitze teilt. Sie wird sicherlich die Führung nach diesen Spielen in der Rangliste übernehmen. Für die finnische Torhüterin war der Schuss kaum haltbar, auch wenn der Pfosten nicht optimal gedeckt war.
Die Schussstatistik des zweiten Drittels (21:5 für die USA) unterstrich die nun klare Überlegenheit.

Trotz des klaren Rückstands versteckte sich Finnland nicht. Die Finninnen spielten weiter strukturiert, ähnlich wie die Schweiz am Vortag – wenn auch mit etwas geringerer Intensität. Strafen gegen Petra Nieminen (42.) und Noora Tulus (45.) überstand Finnland zunächst, ehe die USA in der 56. Minute den Schlusspunkt setzten: Abbey Murphy verwertete einen Abpraller zum 5:0.