Bernd Brückler im Interview

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In Poprad führte Puckfans.at mit dem Österreicher im Dienste von Sibir Novosibirsk ein ausführliches Interview über die KHL, Russland und dem Nationalteam.

 

Puckfans:  Zuerst zum gestrigen Spiel gegen Lev. Nach 40 Minuten 2:0 und am Ende doch noch im Penaltyschiessen verloren. Mit dem Extrapunkt zufrieden oder überwiegt die Niederlage?
Bernd Brückler: Nein , wenn man 2:0 vorne ist und wieder verliert. Das ist ja leider nicht das erste Mal das das bei uns passiert. Bei den letzten Spielen ist uns das jetzt zum dritten Mal passiert. Wenn wir 50 Minuten führen und es einen nicht gelingt das Spiel zu Ende zu bringen, aber jetzt müssen wir schauen das wir irgendwie den Kopf  oben behalten und es geht morgen bereits in Minsk weiter. Punktesammeln das ist einfach das wichtigste.

Puckfans:  Nun etwas Positives ! Gratulation zum neuen Familiennachwuchs. Hoffe es ist alles in Ordnung
Bernd Brückler: Ja Danke, es ist alles bestens. Es geht allen gut und wir sind natürlich sehr glücklich.
Ich war drei Tage in Finnland. Ich habe vom Klub frei bekommen und bin zur Geburt nach Finnland geflogen. Die zwei Tage danach habe ich mit meiner Tochter verbracht und natürlich immer wieder ins Spital gefahren um Vera zu besuchen und den Sohn kennen zu lernen. Wenn alles in Ordnung ist und er die ersten Impfungen bekommen hat und ein wenig gewachsen ist kommen sie nach Novosibirsk.

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Puckfans:  Im Sommer hast du von Torpedo zu Sibir gewechselt. Wie kam es dazu ?
Bernd Brückler: Zu Saisonende sah eigentlich alles danach aus als ob ich in Nizhny Nowgorod bleiben würde. Dann wurde aber das Management und der Trainer ausgetauscht. Der neue Trainer wollte einen finnischen Torhüter und so ist es eben gekommen dass es einen Stopp bei den Verhandlungen gab und so habe ich zu meinem Manager gesagt er soll sich umhören wo es Alternativen geben würde. Es gab dann zwei drei Mannschaften die Interesse zeigten und Sibir war eben das Team mit dem größten Interesse an meiner Person. Sie wollten einfach dass ich als Einzertorhüter zu ihnen komme und so wurden wir uns einig.

Puckfans: Wie bist du in Sibirien aufgenommen worden?
 Bernd Brückler: Sehr gut. Sowohl in der Mannschaft so wie bei den Fans. Die Fans sind überhaupt toll. Praktisch jedes Spiel ist ausverkauft und man merkt sie sind richtig begeistert.

Puckfans: Die Liga hat ja leider wegen der Flugzeugkatastrophe mit Yaroslavl etwas später begonnen. Normalisiert sich die Situation schon ein wenig und wie hast du das erlebt?
Bernd Brückler: Es hat sich jetzt mit der Zeit schon etwas normalisiert. Es war eine unglaubliche Tragödie. Wir sind selbst erst in Omsk wo wir am gleichen Tag das erste Spiel hätten haben sollen aus den Flieger ausgestiegen.
Es war eine unglaubliche Trauer und man merkt schon bei den Russen. Sie sind sehr loyal und in jeder Stadt hat es Memorials gegeben mit Fotos, Kerzen und Blumen. Da Stefan Liv in der letzten Saison in Sibir tätig war hat man auch in Novosibirsk eine sehr enge Beziehung zu dieser Tragödie gehabt.

Puckfans: Hat es bereits durch dieses Unglück Veränderungen gegeben, oder merkt man etwas?
Bernd Brückler: Im ersten Moment nicht aber hoffentlich tut sich hinter der Kulisse etwas. Man sieht schon dass die Flugzeuge teils sehr veraltet sind. In Russland ist das aber allgemein das der Kontrast sehr groß ist. Man kann mit einem super Flieger unterwegs sein der mit Ledersitzen ausgestattet ist und wo einfach alles passt und beim nächsten Mal kann man wieder mit einer Jak 42 oder ähnlichen alten Flugzeugen unterwegs sein.

Puckfans: jetzt zur noch jungen Saison. Der Start war ja sehr Gut
Bernd Brückler: Der Saisonstart war in Ordnung, aber wir haben in diesem ersten Monat einen sehr schweren Spielplan gehabt. Wir haben schon 4x gegen absolute Topmannschaften gespielt und da war halt das eine oder andere Mal dabei wo es am Ende nicht gereicht hat und wir knapp am Sieg dran waren.  In Ufa kassierten wir 45 Sekunden vor dem Ende den 2:2 Ausgleich und am Ende verliert man so wie auch gestern gegen Lev im Penaltyschiessen und erhält nur einen statt drei Punkten.
Jetzt haben wir die letzten fünf Spiele verloren, das ist halt nicht so gut aber das wird sich bald wieder ändern und dazu haben wir bereits in Minsk wieder die Chance.

Puckfans:  Kratzt diese Niederlagenserie an der Moral der Mannschaft?
Bernd Brückler: Ja, natürlich man merkt das schon im Team und die Stimmung ist dadurch nicht so gut. Es ist alles angespannter als normal. Es ist aber auch noch sehr früh in der Saison und wenn man zwei Spiele hinter einander gewinnt sind wir wieder dort wo wir hin wollen. Das müssen wir jetzt umdrehen, das ist jetzt das wichtigste im Moment.

Puckfans: Du hast gesagt, wo wir hingehören. Ist nach der letztjährigen erstmaligen Playoff Teilnahme von Sibir in der KHL das Ziel bereits vorgegeben?
Bernd Brückler: Das erste Ziel ist das wir eine Saison wie im letzten Jahr haben. Da waren wir auf Platz 6 der Ost Conference und das wäre wieder eine gute Saison. Danach in den Playoffs weiter kommen. Wenn man schon zu Beginn so eine Niederlagenserie hat muss man die Ziele eventuell je nach Situation anpassen.

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Puckfans:  Du bist jetzt seit drei Jahren in der KHL – was hat sich in der Liga verändert?
Bernd Brückler: Da hat sich sehr viel verändert. Nicht nur in der Liga, auch in Russland. Man merkt das schon. Man hat in vielen Bereichen Nachholbedarf aber da verändert sich teilweise täglich etwas.
In der Liga wird überall professioneller gearbeitet. Wo am Anfang teilweise noch sehr veraltete Arenen waren sind jetzt schon neue Trainingsräume und Kabinen. Es gibt aber noch immer einige die weiteren Nachholbedarf haben, es wird aber auch dort daran gearbeitet.

Puckfans: Dominik Hasek hat die Liga trotz Vertrag bei Spartak verlassen. Er sah keinen Grund mehr in der Liga zu spielen da es keine wirklichen Überraschungen geben würde. Im Grunddurchgang könnte ein kleiner wohl gewinnen. Am Ende stehen aber immer die Großen oben.
Wie siehst du diese Situation?
Bernd Brückler: Diese Aussage höre ich zum ersten Mal. Man muss dazu sagen, diesen Teams ist es praktisch garantiert dass sie in die Playoffs kommen. Wenn bis zum Ende der Transferzeit im Jänner etwas nicht passt dann werden eben drei, vier, fünf Steine im Team einfach ausgetauscht. Die sind finanziell einfach so stark dass sie das machen können. Da gibt es aber nur fünf oder sechs Mannschaften in der Liga der auf diesem Level spielen und sich das auch finanziell auch leisten können. Vier Teams davon spielen ist Osten und alle Vier haben eine Strafe bezahlt da sie über dem KHL Salery Cap waren. Ich sehe das aber nicht so wie der Hasek. So kam der HK MVD vor zwei Jahren bis in das Finale und hat erst in Spiel 7 gegen Kazan verloren. Mit dem richtigen System und einen heißen Tormann ist aber vieles möglich.

Puckfans: Wie läuft der Alltag in der KHL ab?
Bernd Brückler:  Jeden zweiten Tag spielt man und das zieht sich eigentlich die gesamte Saison durch. Bei Heimspielen schläft man zuhause und ist nur an den Spieltagen Kaserniert.
Auswärts fliegt man nach dem Spiel gleich weiter in die nächste Stadt und hat dort am nächsten Tag einen normalen Trainingstag mit Meetings und Eistraining. Am nächste Tag hat man wieder ein Spiel und das geht eben immer so weiter. Generell hat man vier Auswärtsspiele wo man 9 – 10 Tage unterwegs ist und dann folgt wieder eine Heimserie. Dabei kommt schon ein gewisser Rhythmus in die Sache. Für die Familie zuhause ist das natürlich weniger angenehm

Puckfans:  Wie lebenswert ist Novosibirsk?
Bernd Brückler: Überraschen Lebenswert. Novosibirsk ist eine große Stadt, wie es auch Nizhny Nowgorod ist und auch dort war die Lebensqualität viel höher als erwartet. Das sind beides Millionen Städte von denen die Leute im Westen nicht wirklich eine Ahnung haben. Da gibt’s gute Restaurants, Geschäfte tolle Appartements. Eine Fußballmannschaft und eine wirklich schöne Oper.

Puckfans: Wie geht’s deinem Russisch?
Bernd Brückler: Immer besser. Zu Beginn hatte ich in Nizhny Nowgorod einen Privatlehrer. In der Mannschaft wird aber vorwiegend russisch gesprochen und so lernt man die Sprache relativ rasch. Nur wenige Spieler können, außer die  in Nordamerika gespielt haben wirklich gut Englisch.

Puckfans: Zum Abschluss noch zum Nationalteam. Stehst du dem Nationalteam weiterhin zu Verfügung?
Bernd Brückler: Ich muss ehrlich sagen ich kenne nicht einmal die Pläne und Termine die mit dem Nationalteam anstehen. Ich habe immer gesagt dass ich gerne für das Nationalteam spiele und da hat sich auch nichts geändert. In den letzten drei Jahren ist es sich leider zwei Mal nicht ausgegangen. Einmal hatte ich die Verletzung und in der vergangenen Saison hatte ich noch den Vertrag in Nizhny Nowgorod wo ich eben wegen meines Vertrags noch beim Team sein musste. Ein anderer Grund war aber auch das für mich am 20 Februar die Saison zu Ende war und ich ab diesen Zeitpunkt nicht mehr auf dem Eis stand. Am 10. April bekam ich dann frei  und ich war überzeugt dass es nicht dafür gestanden wäre für das Team zu spielen und dass ich sicher nicht die beste Wahl in dieser Situation gewesen wäre.

Puckfans.at bedankt sich bei Bernd Brückler für das ausführliche Interview und wünscht ihn alles Gute für die weitere Saison so wie seiner Familie.

 

 

 

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